Kategorie: Reviews

  • Für Melodienscanner

    Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich bei verspielten Naturen unter den Tonsetzern die Mode, eine einzige Oper gemeinsam zu gestalten, einem bunten musikalischen Gemüsesalat ähnlich, allerdings en détail planvoller konzipiert. Es wurde mit der italienischen Bezeichnung für die Zahl hundert – demnach Cento (oder Centone) – benannt, war der Idee nach aber nichts Neues, denn…

  • Skizzen und Sketche(s)

    Der Skizze eignet in der Malerei das Flüchtige des Entwurfs und des ungeplant Hingekritzelten en passant, ästhetisch positiv besetzt durch den ersten Ausdruck einer (genialen) Idee, die der Maler nicht aus seinem Kurzzeitgedächtnis verlieren will und deshalb rasch zu Papier – im Falle des Skulpturschaffenden zu Lehm oder Plastilin – bringt. In der Musik ist es…

  • Nordisch erfrischend

    Insgesamt wird dem nördlichsten Inselstaat Europas gegenüber der bewegten vulkanologischen eine sehr junge Geschichte der Musik nachgesagt, was für die meisten Stile außerhalb der traditionellen Folklore gelten mag. Dass letztere selbst in der progressivsten „avantgardistischen“ Ausrichtung noch ihre Spuren hinterlassen hat, darf angesichts der gerade auch im ländlichen Bereich starken Musikpflege – nicht nur, was Gesang, Fiddle-…

  • Christliche Botschaft in karibischer Verpackung

    Footsteps, der Titel des neuen Albums von Wally Warning, könnte eine langsame Gangart andeuten, denn Tochter Ami hat ihren „Lehrmeister“ möglicherweise um Fußlängen überholt – jedenfalls, was das entschiedenere (aber keineswegs lautstarke) Auftreten auf Live-Bühnen angeht. Allerdings wirkte sie auch hier stimmlich bei wenigstens zwei Titeln ganz vorne mit. Die Cover-Innenseite zeigt einen aufgeräumten Musiker, dem man…

  • … und noch ganz anders

    … traten einige Musiker des Philharmonischen Orchesters Erfurt am Freitagabend auf: nahezu unerhört „modern“ zudem für eine ansonsten ganz klassisch ausgerichtete Truppe. Die Spannbreite ließ sich dabei schon am Motto des Programms ermessen: Von der Gabrieli-Canzone bis zur Souljazznummer Skyfall aus dem gleichnamigen James-Bond-Film Nr. 23 von 2012 gelang, mit zwei Schwerpunkten auf Renaissance mit Barock sowie Big-Band-Sound,…

  • Engelsstimmen über der Tiefe

    Eine Fliesenillustration am U-Bahnhof Deutsche Oper in Berlin verewigt einen französischen Komponisten der Romantik, dem (nicht nur) gelegentlich ein Hang zum Empfindsamen ebenso nachgesagt wurde wie eine leicht schwebende, gesanglich gefällige Melodie- und Orchesterstimmenbehandlung. Charles Gounod (1818 – 1893) verzichtete auf übertriebenes Pathos, die Auslotung der Extreme und suchte nach einer lyrischen Musiksprache, die manchmal Volkstümliches einbezog.

  • Ein König in Thule

    Sagenumwoben war Thule – oder Island? – als die, wie man in der griechischen Antike glaubte, nördlichste Insel der Welt. Allerdings lässt sich Goethes für den Urfaust erdachtes Gedicht Es war ein König in Thule gerade nicht als inhaltlich komplexer Wurf bezeichnen: Ein König trinkt bis zu seinem Tod aus dem goldenen Becher, den er seiner…

  • Der Marinetubist im Konzertsaal

    Bitte nicht verwechseln: Eleazar de Carvalho, Schöpfer von zwei bedeutenden Opern sowie zahlreichen Orchesterwerken und Kammermusik ist nicht verwandt oder verschwägert mit einem nachnamensgleichen Lissaboner Musikforscher, der dort das Centro de Estudos de Sociología e Estética Musical leitet. Kurios mag es anmuten, dass ersterer, der in São Paulo 1912 geborene spätere Komponist und Dirigent seine Musikerkarriere als…

  • Sinnfällig und ungewöhnlich

    Einmal mehr konnte das Programm des Theaters Erfurt gestern Abend mit Nicht-Alltäglichem punkten: Zum 10. Konzert dieser Spielzeit kam eine ebenso unkonventionelle wie charmante Konstellation zustande: Dirigent Patrik Ringborg kommt aus Stockholm, wo er nach längeren Intermezzi in Freiburg und Weimar wieder wirkt, demnächst in seiner Eigenschaft als Generalmusikdirektor in Kassel mit Mozarts Le nozze di…

  • Stilistischer Pluralismus auf Montserrat

    Der Reggae und seine weitverzweigte Nachkommenschaft sind als echter Karibikexport weltweit bekannt, die Musikstile der europäischen Invasoren haben in den letzten dreißig, vierzig Jahren an Popularität dagegen durchaus eingebüßt- sieht man einmal von lokalen Einzelerscheinungen ab: Im Inselstaat Montserrat an der östlichen Kante der Kleinen Antillen behaupten sich irisch beeinflusste Formationen neben dem bei den Einwohnern afrikanischer Herkunft…