Kategorie: Reviews

  • „Indie-Klassik“: Neueste Trends der US-Kunstmusik

    Crossover wäre ein (falsches) Attribut für seine Musik, das Nico Muhly nie dulden würde, denn er bezeichnet sich selbst als jemanden, der auf ganz normale Weise eigene Musik macht, die sich an den Rändern freilich „ausdehnen“ kann und somit nicht auf herkömmliche Weise zu klassifizieren ist. Der in Vermont 1981 geborene und im Staat Rhode Island…

  • Von wessen Geisterhand?

    Von Komponisten, deren Namen nahezu jedes Kind schon einmal gehört hat, wird jedes noch so kleine Dokument wie ein Heiligtum behandelt, wie der kürzlich erfolgte kostspielige Erwerb zweier bisher verschollener Autographe durch das Beethoven-Haus Bonn zeigt. Was durch die Priorisierung des mit hoher Effizienz Vermarktbaren übersehen wird (wobei problematische Umstände wie im Falle von Richard…

  • Die Erde ruft – um Hilfe?

    Mal wie das gärende Schlammloch eines Geysirfeldes, mal wie Warnschreie von Vögeln oder Froschquaken tönt unter James Judds Leitung das Didgeridoo von William Barton, einem Aborigines-Nachfahren, mit dem New Zealand Symphony Orchestra beeindruckend umgesetzt, in einer (vor allem für seine Entstehungszeit) unkonventionellen, da rituelle Musik und Tiergeräusche „unmittelbar“ abbildenden Orchesterkomposition Peter Sculthorpes.

  • Angeordnete Räumung

    Carmen ist nicht gleich Carmen: Vielmehr verfolgte Guy Montavon mit seiner Erfurter Neuinszenierung der Bizet-Oper zwei Ziele und mithin die Bewusstmachung weltweit anzutreffender Missstände, erstens (drastisch) greifbar in der erst vor einem Jahr von Behörden angeordneten Räumung der Frankfurter Gutleut-Brache mit Gebrauchtautos, in der Roma und Sinti lebten – und in eine viel zu kleine…

  • Genius der Instrumentation

    Aufs erste Hören scheint es, als wären sowohl sämtliche Moden als auch historische Einschnitte an ihm vorbeigegangen. Dennoch war es nun höchste Zeit, an diesen heimlichen nordischen Meister der Instrumentation Svend Erik Tarp zu erinnern. In größerem Umfang unternimmt dies derzeit der schwedische Geiger, Dirigent und Blomstedt-Preisträger Tobias Ringborg, der in Stockholm als Mitglied der Königlichen Musikakademie firmiert. Ihm gelingt…

  • Röhrend oder betörend – je nach Stimm(ungs-)lage

    Mal beinahe mit menschlicher Stimme singend oder wie ein Türscharnier, mal wie eine krächzende Krähe, wie ein Hirsch in der Brunft oder ein hustender Hund: Je nach Stimmlage kann dieses eher metallisch und nasal klingende Instrument ähnliche Töne und Geräusche hervorbringen, nicht selten zum Amusement der Zuhörer eines Solisten. Allerdings sind die Solowerke für Altsaxophon mit Orchester…

  • Andersartige Klänge mit neuen Instrumenten

    Eine Entscheidung mit Tragweite: Lucia Długoszewski, Tochter polnischer Immigranten aus Detroit, hatte ebenso wie zu Lyrik und Musik einen großen Hang, als Ärztin tätig zu sein und beschloss nach dem Klavierstudium am Konservatorium ihrer Heimatstadt nach New York City umzuziehen. Die Musik, zu der sie schon als Heranwachsende mit Liedern beigetragen hatte, ließ sie aber auch dort nicht los und so…

  • Who the heaven is … ?

    Bratislava um 1770: Der schlesische Komponist Anton Zimmermann, dem ein nur knapp vierzigjähriges Leben beschieden war, tritt in Erscheinung und bestimmt maßgeblich den kulturellen Aufschwung der slowakischen Randmetropole „im Schatten Wiens“ (und der frühen Wiener Klassik) mit; seine sinfonische Musik steht im Zeichen eines musikalischen „Sturm und Drang“, dessen forsche Gangart schon Carl Philipp Emanuel…

  • Rhythmische Noblesse

    Malazarte hieß seine einzige Oper, daneben schrieb er für das Musiktheater die Ballette Imbapara und Amaya. Sein Werk ist vergleichsweise von mittlerem Umfang, die Themen waren aber sehr ausgesucht und zeugen von einer gewissen, aus europäischer Perspektive indigen-exotischen Vornehmheit. Lorenzo Fernândez (1897 – 1948) blieb als Komponist der Moderne doch ganz der Rhythmik und Bildhaftigkeit…

  • Dvořáks Programme

    Symphonische Dichtungen auf der Basis tschechischer Sagen, einige Stücke Kammermusik und die Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“: Dort, wo es um vorwiegend außermusikalische Programme oder aus folkloristischer Gebrauchsmusik Entstandenes wie die Slawischen Tänze und seine Böhmische Suite ging, wurde Antonín Dvořák konkret und vertiefte sich, auch um lyrische Stimmungen zu erzeugen, ins Detail.