Kategorie: Konzertreviews

  • Zündende Ideen

    Aktuelle Werke von Sarah Nemtsov und Marko Nikodijevic waren in den vergangenen zwei Jahren häufiger am Theater Erfurt zu hören, ebenso Vito Žurajs Kompositionen. Der Slowene aus Maribor mit Jahrgang 1979 legte eine steile Karriere sowohl in der Hauptstadt seines Heimatlandes als auch nach Studienjahren an zwei renommierten deutschen Hochschulen hin. Seit 2015 hält er eine Professur für…

  • Aus einem Heurigengarten

    Insbesondere mit einer Posse, die seine Fähigkeit über sich selbst zu schmunzeln zeigte, gewann der Leiter einer buntgewürfelten Truppe aus professionellen Musikern und Sängern unter dem Motto Wien bleibt Wien, am Sonntagnachmittag das gesamte Publikum in Erfurts Alter Oper für sich.

  • Limitierte Ménage à trois

    Inwiefern sich Form und Gestalt unterscheiden, war in einem Zeitalter des rasanten naturwissenschaftlichen Fortschritts eine eher müßige Frage. Aus diesem Grund musste der Aristotelismus des Mittelalters, der noch weit in die Neuzeit hineinwirkte, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts den meisten Zeitgenossen (sicher nicht zu Unrecht) als überholte Denkschule erscheinen. So kann zu Recht die Hauptfigur…

  • Wien und der ferne Osten

    Mit Ironie fein gespickte Sprechszenen und in seligem Dur ausschwingende Ball(ett)nummern kontrastieren im Land des Lächelns mit gefühlsinnigen Duetten wie Soloarien eher tragischen Zuschnitts. Insofern handelt es sich in Wirklichkeit um eine Mischform des Musiktheaters, nicht etwa um die in allen Programmen so ausgewiesene typische Wiener Operette. Dem hohen Anspruch des Librettos und damit auch der Partitur wurde Guy Montavons…

  • Im Innersten des Rhythmus

    Originalität war nach dem Urteil zeitgenössischer Kollegen nicht die erste Tugend von Johannes Brahms. In puncto flexibler harmonischer und ökonomischer Gestaltung waren dem gebürtigen Hamburger allerdings hohe Professionalität und Individualität kaum abzusprechen. In seiner 3. Symphonie F-Dur von 1883, die großen Teils in Wiesbaden und am Rhein entstanden war, bewies der von Heinz Becker als Experte für…

  • Von einem ost-westlichen Divan

    In Israels Musikszenen funktioniert die etwas fernere Nachbarschaft zu Spanien (dank der weit zurückliegenden sephardischen Vermittlung?) genauso gut wie jene zum Libanon und überhaupt zur arabischen Welt. Aus diesem Grund kamen im Heizwerk Erfurt ebenso die traditionelle Kurzhalslaute Oud, das in der europäischen Klassik verwurzelte Violoncello und nahöstlich gemischtes Schlagwerk mit getrommeltem, schwirrendem und klingelndem Klangdesign…

  • Bewegung übersetzt in Klänge

    Auf dem Festival The NOW now in Sydney Ende Januar 2016 wurde den neuesten Entwicklungen in der audiovisuellen Performance Art des fünften Kontinents (und daneben dem Jazz) Rechnung getragen. Zu den Musikbeiträgen zählte eine elektronische Komposition von Michaela Davies, die seit drei Jahren mit ihren progressiven Projekten für Kulturschlagzeilen sorgt. Um einen Eindruck zu geben: Am 6.…

  • Cello allround

    Das Konzert für Violoncello und Blasorchester von Friedrich Gulda stand in mehrfacher Hinsicht im Zentrum des gestrigen elften und letzten Symphoniekonzerts der Spielzeit 2015/16 am Theater Erfurt. Joana Mallwitz stand für die pfiffige Programmkonstellation aus Werken Bernsteins, Guldas und Strawinskys nicht nur höchstpersönlich am Pult, sondern gab dem Publikum auch eine komprimierte Vorstellung von ihren…

  • Glaube und Wahn, Klarheit und Prägnanz

    Zum wiederholten Mal saß am Donnerstagabend anlässlich des 10. Symphoniekonzerts der Saison als Gast Marko Nikodijevic im Publikum des Erfurter Opernhauses. Seine dem Umfang nach recht knapp gehaltene Motette exaudi / bruckner Abglanz nach dem 54. Psalm des Alten Testaments schrieb er mit 20 Jahren und kann sie daher zu Recht heute als Ausdruck einer jugendlichen Sturmzeit…

  • Was bedeutet die digitale Revolution?

    Da „alles fließt“, auch die Zeit, kann man zur These, nach der die fädenziehenden Akteure der digitalen Gesellschaft ihre Errungenschaften und Durchsetzungen zugespitzt als mediale Revolution feiern, verschiedene Meinungen haben; nicht zuletzt war diese ohne Johannes Gutenbergs Vorleistung auch nicht denkbar. Der Mensch wird sich in seiner Natur ohnehin der bloßen Messbarkeit und Definition durch Nullen und Einsen,…