Kategorie: Alben- & Singlereviews

  • Sternenfunkeln: Natur aus Tönen

    Wie simultan erlebend erfasst der Konzertbesucher das phosphoreszierende Sternenflimmern und -gefunkel in dem ausgedehnten Stück Verlängerung der Nächte für 21 Streicher, das bei einem zentralen baltischen Wettbewerb als bestes Kammermusikwerk ausgezeichnet wurde. Die Komponistin ist die 1982 in Vilnius geborene Justė Janulytė; sie studierte bei Bronius Kutavičius und Osvaldas Balakauskas an der Litauischen Akademie für Musik…

  • … und in Port au Prince

    Weniger die Schokoladen- als vielmehr eine ernüchternde Seite von Weihnachten zeigt (derzeit) die Situation Ende Dezember 2019 auf Haiti. Demonstrationen gegen Misswirtschaft und Korruption sorgen in der angespannten humanitären Lage der Bevölkerung für zusätzlichen Sprengstoff.

  • Einst am Krakauer Hof – heute noch hörbar

    Von polnischen Komponisten, die zur Zeit der Renaissance in fürstlichen Diensten standen, sind mehrfach ausschließlich geistliche Werke überliefert, so unter anderem die lateinischen und polnischsprachigen Psalmen, die der calvinistisch orientierte Hofkomponist, Dichter und Drucker Cyprian Bazylik (ca. 1535 – 1600) für König Sigismund II. August und zuvor für den litauischen Großkanzler Mikołaj Radziwiłl zu Vilnius, genannt…

  • Trinidad und die Welt(musik)

    Er stand auf der Bühne schon Seite an Seite mit Wynton Marsalis, Eric Reed oder seinem einstigen Dozenten Marcus Roberts: Der mit allen Wassern des Jazz gewaschene Trompeter Etienne Charles kann auf eine klassische Ausbildung an der Florida State University und der Juilliard School zurückblicken.

  • Berückend präsent

    Eines der zur Zeit mit Wiedergabequalität am höchsten punktenden Labels auf dem norwegischen Klassikmarkt ist wohl 2L, bekannt auch unter dem Namen Lindberg Lyd mit Sitz in Oslo. Die neuesten Editionen aus dem Haus bieten optimale Klangauflösung auf jeweils einer Hybrid SACD und einer für Blu-ray Player geeigneten Pure Audio Blu-Ray Disc.

  • Schleier und Zimtapfel

    Abgesehen von seiner Studienzeit in Paris lebt Alain Pierre Pradel seit Kindesbeinen im französischen Überseedepartement Guadeloupe. Im Februar 1975 kehrte er dorthin zurück und fand zum Broterwerb zunächst eine Anstellung in einem Finanzinstitut , forschte ansonsten aber eifrig nach den Wurzeln der Tanzmusik seiner Heimat.

  • Flöte mit Gesang – ein Konzertleben lang

    In der Popmusik mag es öfter vorkommen, dass ein begabter Flötist gleichermaßen als Komponist wirksam ist, im Bereich der „ernsten“ Muse kann es hingegen als große Seltenheit gelten: Der 1861 westlich von Melbourne, in der Stadt Ballarat geborene Australier John Lemmoné, nicht zu verwechseln mit einem amerikanischen Filmkomiker ähnlichen Namens, erfüllte über etliche Dekaden hinweg die Ansprüche beider Professionen.

  • Alternative Klassik-Charts: Top Four

    Es muss nicht immer die Interpretation eines vielleicht schon überstrapazierten Werks sein, das in aller Ohren tönt und zum Vergleich herausfordert, es gibt möglicherweise auch eine Bestenliste des „Ungehörtesten“, womit hier in erster Linie auf Neufunde angespielt wird. In diesem Monat wird etwa auch dem russisch-jüdischen Komponisten Alexander Veprik (1899 – 1958) diese Ehre zuteil, von dem kürzlich das…

  • In einem Werk: Folklore, barocker Kontrapunkt und Serialismus

    Nach Brasilien kehrte er, obwohl aus Italien stammend und später lange in Uruguay lebend, immer wieder zurück: Guido Santórsola, studierter Geiger, Bratschist und Pianist, sah seine Wurzeln in der auch folkloristisch, im 19. Jahrhundert vor allem aber von europäischen Formen bestimmten Kunstmusik seines Landes. Beim schieren Umfang seines Gesamtwerks ist es eher zu bedauern, dass sein Name…

  • Seismographischer Sinn

    Hochsensibel nahm die von mütterlicher Seite aus einer ungarischen aristokratischen Familie abstammende Komponistin Dora Pejačević  jede Anregung, sei es aus der Umgebung, sei es den Künsten oder der Natur auf, um sie in klingende Musik umzumünzen.