Kategorie: Alben- & Singlereviews

  • Symphonikerin und Dirigentin: Ruth Gipps

    Symphonikerin und Dirigentin: Ruth Gipps

    Durch eine von männlichen Netzwerken dominierten Domäne wie derjenigen der öffentlichen Kunstmusik suchte sie sich ihren eigenen Weg zu bahnen und erwies sich auch als durchsetzungsfähig. Als sie den Versuch unternahm, Dirigentin eines großen Symphonieorchesters zu werden, scheiterte sie an den Vorbehalten gegenüber eine Frau am Pult: Es galt auch in der zweiten Hälfte des…

  • Tag und Abend symphonisch

    Tag und Abend symphonisch

    Die Mystik und Melancholie ihrer Heimat Litauen kompositorisch zu erkunden ist Raminta Šerkšnytės besonderes Anliegen. Sie tut dies seit etlichen Jahren mit ungewöhnlichen Mitteln und bedient sich dabei sowohl aus Musik der westlichen als auch der östlichen Hemisphäre. Beim Komponieren ist die aus Kaunas stammende Musikerin, die vor der Ausbildung zur Dirigentin zunächst ein Klavierstudium…

  • Eher individualistisch als postmodern

    Eher individualistisch als postmodern

    Zu drei britischen Komponistinnen des 20. Jahrhunderts, die „zwischen den Stühlen“ des teils noch spätromantisch geprägten Expressionismus und der Postmoderne ihren Platz suchten, ist anzumerken, dass sie aus kontinentaler Perspektive nach ersten Erfolgen kaum mehr wahrgenommen wurden. Dabei gilt etwa Elizabeth Maconchy (1907 – 1994) nicht nur in Europa, sondern weit über den Kontinent hinaus…

  • Berückender Norden

    Berückender Norden

    Die Musik von Nancy Dalberg ist schlicht außergewöhnlich zu nennen, für die Entstehungszeit ihrer Orchester- und Kammermusikwerke ebenso wie für ihren expressiven spätromantisch beeinflussten Stil. Gleichermaßen entfaltet sie Melodien, die immer auch von Nachdenklichkeit und neugierigem Suchen nach Klangschönheit geprägt sind. Erkennbar hat sie dennoch das neunzehnte Jahrhundert überwunden; ihre Musik schließt zu neuen Formen…

  • Eigenständige Künstlerin statt „guter Tochter“

    Eigenständige Künstlerin statt „guter Tochter“

    Das Wunderkind aus Florenz Il primo libro delle musiche, 1618 veröffentlicht, war das einzige Buch der einunddreißigjährigen Virtuosin Francesca Caccini, das unmittelbar aus ihrer persönlichen Gesangsübung entstanden ist. Es handelt sich um eine der größten Sammlungen von Kammermonodien überhaupt, die verschiedene Vokalformen der Zeit repräsentieren: Sonetti, Ottave, Ottave sopra la Romanesca, Canzonette, Mottetti, Hinni, Arie,…

  • Tuba vielmals virtuos

    Tuba vielmals virtuos

    Zur Zeit werden anlässlich europäischer Fußballpartien von feiernden Fans auch tubaähnliche Töne hervorgebracht, allerdings dürfte der Klang dieser Instrumente kaum an den dröhnenden einer Tuba heranreichen. Die niederbayerische Tubistin Christina Birner gehört zu den aufsteigenden Solistinnen für das gewichtige und in seiner schieren Basstiefe erst einmal bemerkenswerten Bügelhorns. Sie wurde im übrigen zum Instrument des…

  • Wechselbäder: Zwischen früher Moderne und Heute

    Wechselbäder: Zwischen früher Moderne und Heute

    Einer der Schüler von Antonín Dvořák in Prag war Julius Fučik, geboren 1872, der sich wohl bereits auf eine Karriere als Militärmusiker vorbereitet haben mag, da er dort außer Fagott und Violine auch Schlagzeug studierte. Seiner Neigung entsprechend komponierte er im Zuge seiner Engagements in Krems an der Donau, Sarajevo und Budapest für das Orchester…

  • Entdeckt: Die erste Madrigalsammlung von Maddalena Casulana

    Entdeckt: Die erste Madrigalsammlung von Maddalena Casulana

    Für die Musikgeschichte ein sensationeller Fund: Eine Musikwissenschaftlerin an der Universität Southampton, Prof. Laurie Stras, entdeckte vor wenigen Monaten in Moskau das vierstimmig gesetzte primo libro di madrigali der in der Renaissance weithin bekannten Lautenspielerin und Sängerin Maddalena Casulana de Mezarii aus dem Jahr 1568, gleichzeitig das erste Werk der vermutlich um 1540 in Vicenza…

  • Gegen und gleichzeitig für die Musik?

    Gegen und gleichzeitig für die Musik?

    Mel Bonis‘ Werke für kleinere Besetzung Wie zwei ausgewiesene Expertinnen für die Werke von Mel Bonis im vergangenen Jahr festgestellt haben, sind Leben und Kunst der aus einer kleinbürgerlichen Familie in Paris stammenden späteren Komponistin in sich von zahlreichen „inneren Widersprüchen“ gekennzeichnet gewesen. Möglicherweise als Folge daraus, dass die Eltern der zukünftigen Pianistin gegen ihr…

  • Mysterium der Musikgeschichte

    Mysterium der Musikgeschichte

    Leider fehlt jeder geeignete Anhaltspunkt dafür, aus welchem Anlass heraus der so produktive und geschickte Vermarkter seiner selbst, Antonio Vivaldi, in solchem Maße der von ihm erfundenen Gattung des Fagottkonzerts zuarbeitete. Es liegen aus seiner Hand 39 elaborierte Konzerte vor, die damit noch weit hinter der Zahl derjenigen mit solistischem Violinpart zurückbleiben. Dennoch handelt es…