Kategorie: Alben- & Singlereviews

  • Die Würdigung steht noch aus

    Germaine Taillefesse wollte sie nicht weiter heißen, obwohl sie unter diesem Namen in der Nähe von Paris aufgewachsen war: Da ihr Vater ihre musikalische Ausbildung nicht für fördernswert befand, benannte sie sich indigniert in „Tailleferre“ um. Erste solide Unterweisungen am Klavier erhielt sie zunächst durch ihre Mutter, bevor sie 1904 an das Pariser Konservatorium wechselte. Dort machte…

  • Glorreiche Vier

    Ungewöhnlich mag es beim (ersten) Blick auf die Instrumente erscheinen, die das seit gut 30 Jahren aktive Australian String Quartet in wechselnder Besetzung verwendet, dass sie alle aus der Werkstatt eines Meisters stammen, nämlich derjenigen Giovanni Battista Guadagninis. Das älteste Preziosum ist das Violoncello aus dem Jahr 1743, gefolgt von einer etwa fünf Jahre später, 1748…

  • Meister des portugiesischen Spätbarock

    Das für Tausende zum Trauma gewordene Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 ist wohl auch dafür verantwortlich, dass ein Großteil der um die 700(!) Sonaten für Cembalo oder Orgel aus der Hand des „Orpheus Portugals“ verlorenging: Gerade einmal 105 Beispiele für seine Tastenkunst sind bis heute überliefert. Die Rede ist von José Antonio Carlos de Seixas (1704…

  • Rückkehr auf die Antillen – der Kunst halber

    Wie Jacobo Palm, der – dank seines Großvaters Jan Gerard – mit seinen Geschwistern eine große karibische Musiker- und Komponistenfamilie teilte, erblickte Wim Statius Muller auf Curaçao das Licht dieser Welt. Bei Palm lernte er früh das Klavierspiel, bevor er die Gelegenheit erhielt, die New Yorker Juilliard School als Student zu betreten. Der letzte Schüler…

  • Nicht gerade konservative Wächter des Dub

    Das neuartige Raumschiff, mit dem der kanarische Sänger und Songwriter Dactah Chando zusammen mit Umberto Echo (der Name ist Programm) als Dub-Botschafter durchs Weltall der Musik reist, ist glücklich gelandet. Guardians of Dub, hervorgebracht in diesem Maimonat, ist bereits das dritte Kooperationsprojekt der Band mit dem Toningenieur – maßgeblich mitverantwortlich für das Sound Design – und Produzenten Echo…

  • Capriccio Italien – et russe

    Einen (Wiener) Walzer denkt man sich schmissig und in abschnittsweise wirbelnder Geschwindigkeit getanzt wie gespielt. Russische Bearbeitungen von Walzern, handelt es sich nicht gerade um jenen berühmten Walzer Nr. 2 von Dmitrij Schostakowitsch, werden dagegen oft moderat in Tempo und Affekt in Szene gesetzt.

  • Entfremdet oder zuhause: in Europa

    Inmitten unseres Kontinents, an Münchens Hochschule für Musik und Theater lehrt die in Athen ausgebildete Pianistin und Dirigentin Konstantía Gourzi Komposition. Ihre Schaffensbiographie spiegelt Fremde (als Heimat), Entfremdung und Vertrautheit gleichermaßen; als Künstlerin spannt sie ein Trapez zwischen Orten in Europa ebenso wie zwischen Existenzen von Menschen, die dort, teils ihrer Herkunft entfremdet, leben. Unter anderem dokumentiert…

  • Salterio-Noten: Im Entdeckungsmodus

    So dunkel kann selbst das Mittelalter nicht „getönt“ haben, wenn es ein Instrument mit so viel Klangmagie wie das (in der Antike verwurzelte) Psalterium hervorbrachte, das zunächst übrigens zu den Lauten gerechnet wurde. Die italienische Bauart des Salterio taucht urkundlich erstmals 1723 auf, obwohl es zuvor und – bis heute folkloristisch etwa im Alpenraum –…

  • (Not only) Ragtime Remembered

    Selbstverständlicher als in Europa wohl trommeln Kunstschaffende aus der Neuen Welt und vom fünften Kontinent auf verschiedenen Hochzeiten. Nur ein Beispiel dafür ist die Amerikanerin Mary Mageau aus Milwaukee, die im vierzigsten Lebensjahr nach Studienjahren und Engagements als Dozentin einen australischen Gastlehrauftrag annahm – mit Folgen: Denn sie heiratete dort den Architekten Kenneth White, nahm die…

  • Apotheose des Choro

    Obgleich er nicht zu den professionellen Kreativen mit Studium und Examen gehörte, schloss Luis Americano do Rego zwischen 1930 und 1960 doch zu den gefragtesten Komponisten seines Landes auf. Es mag zu einem Gutteil daran gelegen haben, dass er als einer der ersten das Saxophon in den klassischen und populären brasilianischen Musikszenen etablierte.