Kategorie: News

  • Dur und Moll – wann und wie

    Erst kürzlich ging Peter Sühring anlässlich seiner Besprechung der 2015 erschienenen Studie Modus in den Chansons von Binchois der in Saarbrücken promovierten Musikwissenschaftlerin Astrid Opitz auf die Bedeutung der besonderen Formelschlüsse im Werk des franko-flämischen Meisters ein, der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wirkte.

  • Tyrannosaurus Compositor

    Gibt und gab es sie oder waren sie wie zu den aristokratisch dominierten Zeiten Mitteleuropas nur Auftraggeber? Komponisten, die in hohe Staatsämter aufstiegen, stellen eher eine Seltenheit dar, wofür der einstige polnische Ministerpräsident Ignacy Jan Paderewski, ein aufrechter Freiheitskämpfer und ausgebildeter Pianist, beispielhaft stehen mag. Die Betriebsblindheit nicht nur hinsichtlich der Künste galt vice versa für Diktatoren und Ächter moderner Musik…

  • Bizet im Hintergrund?

    Die Ähnlichkeiten sind nicht zu überhören: Vergleicht man Arthur de Greefs Humoresque für Orchester mit Georges Bizets deutlich älterer 1. Arlésienne-Suite, so fällt neben der melodischen Gestaltung die metrisch verwandte, spondeisch getragene Deklamation des Themas auf, auch wenn im ersten Fall ein heiterer Zug, im zweiten ein konkret vom Militärmarsch inspirierter Ton vorherrscht. Eine der frühen Einspielungen eines Shooting Stars unter den…

  • Paukenschlag zur neuen Brügger Saison

    Brüssels Philharmonisches Orchester geht mit seinem Chefdirigenten Stéphane Denève noch vor dem Kalenderherbstbeginn in eine neue Spieletappe, die vierzig Auftritte wiederum in den akustisch besten Sälen Belgiens und auf Nordamerikatournee umfassen wird. Den Anfang bestimmte am Samstagabend ein Programm der frühen Moderne und der Gegenwart: Neben Ralph Vaughan Williams‘ sonst eher selten gespieltem symphonischem Chorwerk Serenade…

  • Erfindung mit begrenzter Reichweite?

    Der Wunsch nach einer praktischen, einfacher spielbaren Oboe brachte den Musikmeister eines französischen Regiments, Pierre-Auguste Sarrus, auf die Idee, etwas gänzlich Neues zu entwickeln. Das nach ihm so benannte Sarrusophon sollte Halblochdeckungen und Gabelgriffe, wie sie gewöhnlich erforderlich waren, überflüssig machen, die einheitliche Bohrung aller Löcher dem Musiker das Spiel wesentlich erleichtern. Seinen Plan setzte die…

  • Nordische Leuchtfeuer

    Nach den nicht eben kurzen skandinavischen Sommerferien mit ihren taghellen Nächten haben Veranstalter und Künstler den Startschuss in die neue Saison gegeben. Zunächst geht es nach Stavanger, wo am 13. September an verschiedenen Konzertorten – auch mit humoriger theatralischer Unterhaltung – das diesjährige Norwegische Orgelfest gefeiert wird.

  • „Indie-Klassik“: Neueste Trends der US-Kunstmusik

    Crossover wäre ein (falsches) Attribut für seine Musik, das Nico Muhly nie dulden würde, denn er bezeichnet sich selbst als jemanden, der auf ganz normale Weise eigene Musik macht, die sich an den Rändern freilich „ausdehnen“ kann und somit nicht auf herkömmliche Weise zu klassifizieren ist. Der in Vermont 1981 geborene und im Staat Rhode Island…

  • Von wessen Geisterhand?

    Von Komponisten, deren Namen nahezu jedes Kind schon einmal gehört hat, wird jedes noch so kleine Dokument wie ein Heiligtum behandelt, wie der kürzlich erfolgte kostspielige Erwerb zweier bisher verschollener Autographe durch das Beethoven-Haus Bonn zeigt. Was durch die Priorisierung des mit hoher Effizienz Vermarktbaren übersehen wird (wobei problematische Umstände wie im Falle von Richard…

  • Die wahre Königin von Saba

    Lakonisch heißt es in einer bekannten Online-Enzyklopädie, Saba, einer der ehemaligen Niederländischen Antilleninseln, verfüge über eine ausgeprägte Tanzkultur, die in verschiedenen Restaurants heimisch sei: Dazu zählten eine entsprechende Bandbreite an Varianten des Hip Hop, Calypso, Soca, Kompa, Zouk, Reggae, Merengue und Bouyon, letztere eine ursprünglich auf Dominica, Roseau und Guadeloupe gepflegte Mixtur aus traditionellen und modernen Tanzelementen, die…

  • Tempo rubato – die Freiheit des Spielers

    Die genaue Einhaltung des Metrums, namentlich in Gesangspartien, war kaum jemals geltende Konvention der musikalischen Praxis, abgesehen vielleicht von mancher strengen monodischen Liturgie der Kirche. Ganz im Gegenteil: Die freie Nutzung einer vorgegebenen Melodie oder eines Notentexts als partikulare und weitergehende Improvisation (hinsichtlich der Zeitwerte) war in allen Kulturen die Norm, zumal in folkloristischen Zusammenhängen, seien es Tänze…