Er gab sich sozusagen mit dem berühmten „Vater der Klassik“ in künstlerischer Hinsicht die Türklinke in die Hand: Der in Montgomery County im Bundesstaat Pennsylvania 1740 geborene Sänger, Instrumentenmacher und Komponist John Antes pflegte einen Stil, der demjenigen vor- und frühklassischen Haydns sehr ähnelte. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sich ihre Wege jemals gekreuzt hätten.

Denn Antes führte ein teils selbst gewähltes abenteuerliches Leben als Missionar, die musikalischen Werke entstanden scheinbar eher beiläufig als Nebenarbeiten. Die rein biographische Betrachtung könnte aber täuschen, denn der ehemalige Adept einer mährischen Grundschule für Jungen in New England, in der Joseph Haydns Musik an erster Stelle stand, beherrschte offensichtlich sowohl das Schreiben vokaler als auch völlig andersartiger instrumentaler Musik. Überliefert sind später in England veröffentlichte Tre Trii für zwei Violinen und Violoncello mit obligatem Bass, die wahrscheinlich, wie der Musikwissenschaftler Karl Kroeger vermutete, aus sechs verschollenen Streichquartetten hervorgegangen waren.

Freilich dominierten im Aufführungsrepertoire des 18. Jahrhunderts Antes‘ zahlreiche Anthems und Choräle, die auf der streng biblischen Ausrichtung seines Schullehrers Johann Christoph Pyrlaeus beruhten. Dieser war neben seiner Tätigkeit als Missionar bei Indianern in der Rolle eines Organisten und Sängers der Gründer eines in Bethlehem in Pennsylvania aktiven Collegium musicum; bezeugt ist von John Antes, dass er 1760 in dessen Single Brethren’s Choir in Bethlehem eintrat.

Vier Jahre später besuchte Antes in seiner missionarischen Eigenschaft die Herrnhuter Brüdergemeine und betätigte sich einigermaßen berufungsfremd im nordrheinland-pfälzischen Neuwied als Uhrenmacher. Es verschlug ihn zu einer koptischen Gemeinde nach Kairo, wo er als Missionar weiterwirkte. Zurück im deutschsprachigen Raum wirkte er zunächst in Herrnhut, bevor er in Neuwied die Stelle eines Verwaltungsleiter der dort ansässigen Brüdergemeine übernahm. Der Reisen nicht genug nahm er von dort den Weg ins mittelenglische Fulneck, wo er Susanna Crabtree heiratete und dort, wo es ebenfalls eine Mähren-Gemeinde gab, blieb; er starb aber 1811 in seinem letzten Wohnort Bristol.

Ungerechtfertigt war sicherlich die selbstkritische Beurteilung seiner eigenen musikalischen Fertigkeiten, die ihn dazu verleitete, seine Werke, zu denen so bedeutende wie Go, Congregation, go! für Sopran, Streicher und Continuo sowie das spätere, 1803 publizierte Anthem My Heart Shall Rejoice in His Salvation für Sopran, Alt, Tenor, Bass, zwei Hörner, Streicher und Continuo sind, unter einem Pseudonym zu veröffentlichen.
Literatur u.a.
Donald M. McCorkle: John Antes, „American dilettante“. In: The Musical Quarterly 42. 1956. S. 486 – 499.
Karl Kroeger: What happened to the Antes‘ string quartets? In: Moravian Music Journal 4. 1996. S. 23–26.