Brillant instrumentiert: Orchestermusik aus Mexiko

Trotz enormer Anstrengungen, auf dem Parkett prominenter Musiker, Komponisten und Dirigenten Mexicos und der Vereinigten Staaten seinen Platz zu finden, war José Pablo Moncayo (1912 – 1958) nicht der erhoffte große Durchbruch beschieden. Dabei liest sich seine Biographie exakt wie die eines besessen und zäh arbeitenden Künstlers, der mehr erreichen will. Berühmt ist er heute wegen seines folkloristisch basierten „Orchesterhits“ Huapango (1941), das bis heute ein Selbstläufer in den Rundfunkstationen zwischen Mittelamerika und dem fernen Asien geblieben ist.

Der spätere Dirigent und Komponist José Pablo Moncayo wurde 1912 in Guadalajara geboren (Chava2222, 29.12.2017, CC-Liz.)

Der Huapango (ein Wort, das soviel wie „Tanzboden“ bedeutet), auch Son Huasteco genannt, kommt von der mexikanischen Ostküste. Die von Moncayo für sein Stück gewählten Melodien gehen tatsächlich auf drei in der Folklore von Veracruz fest verankerte Lieder, El Siquisiri, El Balajú und El Gavilancito, zurück. Eine Besonderheit in der Komposition sind die simultan ablaufenden komplexen Gegenrhythmen, die eine einzigartige polyphone Textur ergeben.

5. November 2016: Ein Gitarristen-Trio zelebriert den Son Huasteco (Mexico City, José Luis Cuevas Museum, Maritza Rios, flickr, CC-Liz.)

Klavier hatte er in Mexico Citys Nationalkonservatorium bei Eduardo Hernández Moncada studiert; das Handwerkszeug der Komposition erlernte er bei dem heute ungleich bekannteren mexikanischen Tonsetzer Carlos Chávez, Harmonielehre (und sicher auch Kontrapunkt) bei Candelario Huizar. 1931, also im Alter von 19 Jahren, erhielt er bereits die Stelle als Perkussionist beim Orquesta Sinfónica Nacional de México. Nur vierzehn Jahre später hatte er sich bereits als dessen künstlerischer Direktor etabliert, nachdem er es zuvor bereits dirigiert hatte. Die legendäre Combo Grupo de los Cuatro mit seinen Kombattanten Galindo, Contreras und Ayala Perez begründete er selbst bereits 1935.

Doch drängte es ihn gerade als Komponist noch mehr nach professioneller Vervollkommnung, weshalb er sieben Jahre danach am Berkshire Music Center bei Aaron Copland weiterstudierte. Auf Moncayos Orchestertonsatz hatte diese Zeit großen Einfluss. Seine Arbeit als Dirigent trieb er währenddessen mit unverminderter Energie weiter: Noch einmal sieben Jahre später leitete er ohne Unterbrechung bis 1954 das Mexikanische Nationale Symphonieorchester.

Programmatisch beschäftigte José Pablo Mocayo neben der altamerikanischen Folklore seiner Heimat gerne mit der Natur in größeren Zusammenhängen, wovon unter anderen seine Werke Canción del Mar, Tierra de temporal und das Ballett Tierra Zeugnis ablegen. Auch mit kammermusikalischen Produktion suchte er zu Recht verdient Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: So entstanden als Frühwerk eine Violinsonate (1937), wohl nach 1948 eine Sonatine für Violine und Klavier sowie eine Sonate für Viola und Klavier.

Auf diesem neueren Tonträger sind weltweit populäre Orchesterstücke lateinamerikanischer Komponisten versammelt, so auch Moncayos Evergreen ‚Huapango‘ (Aria Classics 2025, ASIN: B0FC3P7TSQ).

Da Moncayo ja auch Pianist war, hätte man wohl eine größere Zahl von solistischen Klavierstücken erwartet, doch scheint ihm die Entwicklung seiner Orchestermusik – sicher aus pragmatischen Gründen – wichtiger gewesen zu sein. Davon legen, wiewohl heute fast vergessen, außer Bearbeitungen und auch Opern seine Tres piezas para orquesta: feria, canción y danza aus dem Jahr 1947, die klangvolle Sinfonia (1941-42), die Sinfonietta (1945) und das Ballett Tierra (1956) beredtes Zeugnis ab.