An und für sich war es gerade in Italien und Frankreich zwischen dem Anfang des 17. und dem des 18. Jahrhunderts keineswegs unüblich, dass Komponistinnen unter der Schirmherrschaft einer politisch einflussreichen Fürstin wirken konnten und nicht am Cembalo beim Vortrag verspielter Stückchen und an der Orgel ihr Musikerinnendasein fristen mussten. Allerdings ist es für die mittlere und späte Barockepoche auch belegt, dass nur wenige klangschöpferische Frauen Instrumentalmusik schrieben, die aber heute von hohem Wert ist, wenn sie auch keine bemerkenswerte stilistische Abweichung von anderen gleichzeitig entstanden Werken männlicher Zeitgenossen aufweist.

Neben Isabella Leonardas Sammlung Sonate op. 16 sind es nach derzeitigem Wissen nur die (Balletti e ) correnti da sonarsi col violino e spinetta (Venedig 1665) aus der Feder der einer venezianischen Familie entstammenden Komponistin Marieta Morosina, von der nur die Jahresdaten 1665 und 1667 bekannt sind; Anhaltspunkte zum Geburtsjahr und Todesjahr sind bislang nicht ermittelt.

Mit den in ihrem Duktus gemächlicheren Balletti kontrastieren in der Kollektion die flotter vorzutragenden und zu tanzenden Correnti. Die Form des Balletto stellte seit dem Mittelalter zunächst eine sowohl populäre Art des Gesellschaftstanzes dar, der aber gleichermaßen an den Adelshöfen zuhause war, während das Corrente – in der französischen Benennung Courante – ein erstmals von Antoine Arbeau 1588 erwähnter Tanz mit pantomimischem Charakter ist, der sich später zu einem selbstständigen polyphon angelegten Stück für Tasteninstrumente im Wechsel von 3/2- und 6/4-Takt entwickelte.

Morosina Priulis vierstimmige Tänze, die dank der Förderung durch die habsburgische Kaiserinwitwe Eleonora Magdalena von Neuburg herausgegeben wurden, sind wohl für ein Ensemble aus drei Violinen und Spinett bzw. Cembalo oder Violine, Violone, einem Blasinstrument und einem begleitenden Cembalo gedacht, wobei die Besetzungen im „Geschmack der Zeit“ natürlich variieren können. Bei der Aufnahme mit dem 1995 gegründeten niederländischen Barockensemble La Primavera liegt eine gemischte Besetzung vor, die noch durch Schlagwerk ergänzt wird, was als durchaus zeittypisch gelten kann.
Die Auflösung des Rätsels vom 21.02.2024 lautet: Karol Kazimierz Kurpiński (1785-1857).
