Barock: Epoche ohne Scheuklappen

In der außergewöhnlichen Musikaliensammlung von Dr. Werner Wolffheim, die zwischen 1928 und 1929 versteigert wurde, fand sich eine Sammlung wertvoller Originalnoten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in der heute nahezu unbekannte Komponisten ihre Handschrift hinterließen. Ihre Musik zeugt einmal mehr von der Grenzenlosigkeit der Kunstmusik zwischen 1600 und 1730, für die nicht alleine Georg Philipp Telemann mit seiner Adaption polnischer Tanzmusik Pate steht.

Dieses neue Album für Sololaute enthält erstmals veröffentlichte früh- und hochbarocke Musik aus einer wertvollen Sammlung, die unter anderem heute an der Universität Melbourne archiviert sind (TYXart 2023).

Der Pariser Hoflautenist Ennemond Gaultier etwa, der in Lyon gewirkt hatte, bereicherte das Lautenrepertoire seiner Zeit um eine Sarabande Espagnole, die auf dem Album von Bernhard Hofstötter zu hören ist. Das Manuskript AU-LHD 243 enthielt aber auch drei Sätze des Jean Berdolde Bernard Bleystein de Prague, unter anderem ein Adieu de la Maitresse oder eine Gigue von Achaz Casimir Hültz nebst anderen tanzgeeigneten Stücken. Die meisten Nummern der CD sind einzige Zeugnisse ihrer Urheber und hier zum ersten Mal eingespielt.

Xenia Löffler stellt auf ihrer neuen CD unter anderem zwei erstmalig eingespielte Oboenkonzerte vor (Accent 2023).

Ähnlich exzeptionellen Wert als Unikate haben die Oboenkonzerte in F-Dur und B-Dur von Franz Xaver Kerzelli, welche die dank ihrer vielen Konzerte prominente Solistin Xenia Löffler mit der Batzdorfer Hofkapelle nun erstmals der Weltöffentlichkeit vorstellt. Die Direktorin des Fachbereichs Alte Musik der Berliner Akademie der Künste versammelt auf ihrem Album Musik von Musikern, die im 18. Jahrhundert für den Hof der Postunternehmer Thurn und Taxis arbeiteten. Dazu gehören auch Theodor von Schacht mit seinem Konzert für drei Oboen in B-Dur, zu dessen Aufnahme sich Alfredo Bernardini und Michael Bosch dazugesellt haben. Mit seinem Bruder José, der ebenfalls Musiker war, bereiste der katalanische Oboist Joan Baptiste Pla ab 1751 wichtige Hauptstädte Europas. Von ihm ist hier ein Oboenkonzert gleichermaßen in B-Dur zu hören.

Elisabeth Jacquet de la Guerre war nicht nur ein Wunderkind auf dem Cembalo, das sie vor Ludwig XIV. schon als Fünfjährige spielte, sie komponierte auch Opern, Kantaten, Sonaten und Cembalosuiten. Von letzteren liegt nun eine Edition der Aufnahme von Salvatore Carchiolo des ersten Buches ihrer Pièces de clavecin aus dem Jahr 1687 mit vier Suiten vom September 2005 aus Scordia vor, wo ihm ein Instrument von Sebastiano Calì zur Verfügung stand. Der in Den Haag und am Sweelinck-Konservatorium zu Amsterdam ausgebildete Cembalist wirkt in Konzerten seit längerem mit diversen Ensembles und Orchestern zusammen, unter anderem mit Europa Galante, Il Giardino Harmonico und Concerto Italiano.

Eine außerordentliche Musikerin bereicherte das französische Repertoire zur Zeit des Sonnenkönigs, unter anderem mit den Cembalowerken, die sie selbst konzertant vortrug: Elisabeth-Claude Jacquet de la Guerre (Da Vinci Classics 2023)

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