Schritte im neuen Jahr

Vielleicht ist es weniger angebracht, sich gerade zu Beginn eines neuen Jahrs zu wiederholen, aber solange es keine wirkliche Alternative zur Compact Disc für den Klassik hörenden Durchschnittsmenschen gibt, werden diese weiter ihre Rolle auf einem wenn auch leicht stagnierenden Weltmarkt spielen. In diesem Sinne sollen hier drei Neuerscheinungen vorgestellt werden, die demnächst verfügbar sein werden.

Diese Stimme wird nun weithin hörbar sein; Livia Teodorescu-Ciocănea stellt drei ihrer außergewöhnlichen Orchesterwerke vor (Toccata Classics, ASIN: B0BPVS9GRH, ET: 3. Februar 2023).

Die Orchestermusik der rumänischen Kompositionsprofessorin Livia Teodorescu-Ciocănea ist, um das Mindeste zu sagen, in ihrer Programmatik nach westeuropäischem Geschmack unkonventionell zu nennen: Auf der demnächst erscheinenden Einspielung mit dem Nationalen Radiosymphonieorchester, dem Rumänischen Radiokammerorchester und einigen bedeutenden Solisten, etwa dem Flötisten Pierre-Yves Artaud oder der Mezzosopranistin Antonela Barnat, sind drei thematisch sehr verschiedene Werke vereint: eine Archimedes-Symphonie (2006-11) in vier Sätzen, die das fragmentarische Wissen über den berühmten syrakusanischen Ingenieur, Physiker und Mathematiker in Stationen widerspiegeln, ein Flötenkonzert mit dem witzigen Titel Rite of Enchanting the Air (1998) und – abschließend sehr ernsthaft – das aus markanten Teilen des Requiemtexts sowie des Alten und Neuen Testaments bestehenden Mysterium tremendum (2016) für Mezzosopran und Orchester. Populär über Rumänien hinaus wurde Teodorescu, nicht zuletzt dank des WWW, mit Endaeavour Bells.

Heute kennt man den einst in der Napoleon-Ära wirkenden Wahlwieners und Musikdirektors des Grafen Esterházy, Paul Wranitzky, vor allem seiner Oberon-Oper aus dem Jahr 1789 wegen. Er spielte eine große Rolle im kulturellen Leben der Habsburgischen Metropole, unter anderem als Sekretär der Tonkünstler-Sozietät und war in seiner Eigenschaft als Orchesterdirektor der zwei königlichen Hoftheater ein enger Bekannter von Haydn, Mozart und Beethoven. Nur die älteren seiner zahlreichen Ballette beziehen sich in ihrem Sujet auf die in der Rokoko-Zeit noch sehr populäre antike Mythologie, doch setzte er schon als junger Komponist auf zeitgenössische Themen, etwa mit der Weinlese (1794) oder dem komischen Stoff Der Tyroler Jahrmarkt (1805). Viel Witz enthält auch die Textvorlage des listigen Bauernmädchens, das auf der 2023 neu erscheinenden Aufnahme der Tschechischen Kammerphilharmonie Pardubice mit dem Dirigenten Marek Štilek zu hören ist; daneben sind hier auch zwei akzidentelle Orchesterwerke Wranitzkys zu hören, der manchem als heimlicher Urheber der österreichischen Nationalhymne gilt …

Ole Hjellemo komponierte seine Orchester- und Kammermusik gerne auf der Basis von Tanzmusik und Volkslied. (2. Symphonie, ASIN: B0BKQZ26F6, Sterling).

Im Jahr 1921, als die norwegischen Sozialdemokraten die Wahlen zum 38. Storting in Oslo gewannen, beendete der Leutnant und Militärmusiker Ole Hjellemo, maßgeblicher Dozent am Konservatorium für Violine und Harmonielehre, seine 2. Symphonie in h-Moll. In seiner ländlichen Heimatkommune Dovre im bergigen Distrikt Oppland unterrichtete er in seinen Sommerferien das Militärkorps, lebte aber dauerhaft in Oslo, wo er seinen Arbeitsschwerpunkt hatte. Interessant ist, dass sich die Tanzmusik durch alle Jahre seines Wirkens als Komponist hinzieht, was wohl mit seiner berufsbedingten Aufführungspraxis von Marschmusik in Verbindung steht. Er schrieb neben anderem eine Karneval-Suite (1918) und eine dreisätzige Abfolge von Gavotte, Scherzando und Finale marciale. Seine Neigung zu volksläufigen Melodien, die für die nationalromantischen Strömungen im 19. Jahrhundert typisch ist, initiierte entsprechende Werke, beispielsweise Sagn für kleines Orchester und das rhythmisch prägnante Slått, das er als „Volkslied“ auswies. Elemente aus den Sphären von Tanz und Lied werden auch in seiner 2. Symphonie wirksam, die von der demnächst erscheinenden CD ebenso zu hören sein wird wie sein einziges Violinkonzert und ein Norwegisches Capriccio für Violine und Orchester. Jørn Fossheim dirigiert das Makris Symphony Orchestra.


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