Nachlese zum Nikolaustag

Um den Bischof von Myra, der etwa von 270 bis 326 heutiger Zeitrechnung lebte, sind zahlreiche Legenden, etwa diejenige vom Kornwunder entstanden, die ihn als einen selbstlosen und allzeit gerechten wie hilfsbereiten Mann darstellen. Aufgrund ihrer Vielzahl nimmt es nicht Wunder, dass Nikolaos sowohl in der Westkirche als auch Byzanz als Vorbild zu gelten begann und bis heute am 6. Dezember geehrt wird, namentlich wegen seiner Freigebigkeit, die er Armen wie Kindern zuteilwerden ließ. Wie der edle Spender, der persönlich bescheiden gelebt haben soll, lassen Eltern ihre Kinder seine Güte nacherleben, in der Form von Geschenken, die von Nüssen und Äpfeln einst heute bis hin zu kommerziellen Elektronikprodukten reichen.

Etliche Gesänge des Mittelalters beziehen sich auf Bischof Nikolaos von Myra (Arcana 1998/2017, ASIN: B076B56731).

Es ist bemerkenswert, dass gerade im Laufe des Mittelalters etliche ein- und mehrstimmige Gesänge entstanden, die Nikolaos geweiht waren. Eine Auswahl bietet etwa die direkt auf den Heiligen zugeschnittene Liturgie, die das Ensemble La Reverdie in Verbindung mit I Cantori Gregoriani vor nunmehr 24 Jahren rekonstruierte und aufnahm. Die Einspielung blieb Referenzpunkt für spätere Musiker und Dirigenten, die die Legenden kreativ verarbeiteten, Im Jahr 2006 legten Gertrud und Dirk Schmalenbach verdienstvollerweise eine Hörspielversion mit Musik für Kinder vor, die nicht nur in den Familien um die Vorweihnachtszeit gerne genutzt wurde, sondern auch in öffentlichen pädagogischen Institutionen Anklang fand.

Als „Musical für Kinder“ schrieben und komponierten Gertrud und Dirk Schmalenbach die Nikolaus-Legende neu.

Ebenso erstaunlich ist es, wie rasch die Legende im Mittelalter das Aufkommen von „Volksliedern“ zeitigte, die bald in den Kanon der eigentlichen Weihnachtslieder fanden und damit noch größere Verbreitung erfuhren, etwa das bekannte, den Dank an den spendablen Bischof einschließende Lasst uns froh und munter sein, das wohl aus dem linksrheinischen Hunsrück stammte und schon im Laufe des 19. Jahrhunderts populär wurde. Aus Wangen im Allgäu kommt der auf das 14. Jahrhundert zurückgehende Hymnus An Nikolai Festtag. Placidus von Camerloher komponierte im 18. Jahrhundert eine Nikolaus-Kantate, der Kirchenmusiker und Diakon Heinz Martin Lonquich 1999 eine St. Nikolaus-Messe. Zur 800-Jahr-Feier der Nikolai-Kirche in Hamburg schrieb Felicitas Kukuck die Kantate Wer war Nikolaus von Myra? Wie ein Bischof seine Stadt aus der Hungersnot rettete und vor Krieg bewahrte.


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