Obgleich er nicht zu den professionellen Kreativen mit Studium und Examen gehörte, schloss Luis Americano do Rego zwischen 1930 und 1960 doch zu den gefragtesten Komponisten seines Landes auf. Es mag zu einem Gutteil daran gelegen haben, dass er als einer der ersten das Saxophon in den klassischen und populären brasilianischen Musikszenen etablierte.

Dabei hatte alles mit einem verwandten Blasinstrument begonnen: „Angestiftet“ durch seinen Vater Jorge Americano griff er als Jugendlicher nämlich bald zur Klarinette, die er als Mitglied von Militärkapellen meisterhaft zu spielen lernte: Sein Weg führte ihn dabei von seiner Geburtsstadt Aracaju über Maceió im Bundesstaat Alagoas letztlich in die Hauptstadt der brasilianischen Kunstmusik, nach Rio de Janeiro.

Dort standen ihm verschiedene Möglichkeiten offen, doch begann er zunächst für den Rundfunk zu arbeiten, wobei er bei einigen Schallplattenaufnahmen mitwirken konnte (als das Medium noch in den Kinderschuhen steckte). Er führte ein Berufsleben zwischen Notenpult und Schreibtisch, bis er sich 1928 für ein paar Jahre in Argentinien ansiedelte.

1932 startete Luis Americano zusammen mit Pixinguinha und Donga das Bandprojekt Velha Guarda, das sich rasch einen Namen machte. Einige Jahre später, ab 1937, bildete er mit dem Schlagzeuger Luciano Perrone und dem Pianisten Radamés Gnattali das Furore machende Trio Carioca. Americano beherrschte den Choro, jene von Joaquím Callado im 19. Jahrhundert um 1870 mitbegründete rein instrumentale Mischung aus Polka, Walzer und genuin afrikanischer Folklore, meisterhaft; in seinem Werkverzeichnis nimmt das Genre den ersten Platz ein; besonders beliebt und zu „Hits“ wurden im Laufe des vergangenen Säkulums nach dem Welterfolg Tico-Tico von Zéquinha de Abreu einige Stücke des zum professionellen Studiomusiker avancierten Saxophonisten, etwa Numa seresta, Virgem, Dancing avenida und É do que há.