Joseph Haydn wird nachgesagt, er habe sich bei seiner Komposition der sogenannten Kaiserhymne, die später als Deutschlandlied usurpiert wurde, von dem kroatischen Volkslied Stal se jesem – „Ich bin aufgestanden“ – leiten lassen. Direkt ist dies wohl nicht nachweisbar, doch gibt das Gerücht immerhin einen Fingerzeig auf die Reichhaltigkeit der Folklore in Istrien, Slawonien und an der dalmatischen Adriaküste. Dabei handelt es sich um völlig verschieden gewachsene Traditionen, die beim heutigen Hören der jeweiligen Stile keine Gedanken an Verwandtschaft aufkommen lassen.

Die slawonische Tamburica-Folklore greift auf ein in der Regel sechsköpfiges Ensemble zurück, dessen Instrumente Gitarren und Mandolinen unterschiedlicher Größenordnung ähneln. Hingegen dominiert am langen Küstenstreifen von Istrien über Primorje nach Dalmatien der althergebrachte Klapa-Gesang reiner Männergruppen. In der gesamten istrischen Musik überwiegen Instrumental- und Vokalmusik auf Basis pentatonischer Tonleitern.

Im 17. Jahrhundert bildete Kroatien einen Wall gegen das Osmanische Reich und musste sich auch gegen die Vorherrschaft der Habsburger Monarchie behaupten. Lediglich die Region Dubrovnik konnte im Angesicht der Invasion von Fremdmächten ihre Unabhängigkeit bis 1808 bewahren. Dennoch gingen aus schwierigen Zeiten, in denen Staat und Kirche äußerem militärischem Druck ausgesetzt waren, bedeutende Barockkomponisten hervor.

Der Franziskanermönch Ivan Lukačić (1587 – 1648) wirkte und lebte zu einer Zeit und in einer Region, die damals zur Republik Venedig gehörte. Entsprechend der engen Bindung zu Italien konnte er in Rom Musik studieren und wurde später in Split Domkapellmeister. Seine aus 27 Motetten bestehenden Sacrae Cantiones (1620) mit Orgelbegleitung ging verloren, wurde aber in Krakaus Jagiellonischer Bibliothek wiedergefunden.

Etwa zur selben Generation zählt der Kroate und Italiener Vinko Jelić (1596 – nach 1636), den wie so viele später der Dreißigjährige Krieg einholte. Er wurde zusammen mit seinem Bruder Peter als Kapellknabe an der Hofkapelle in Graz angestellt, trat 1609 mit Diskantstimme in das dortige Ferdinandeum ein und konnte an der Grazer Universität bei Reimundo Ballestra studieren. Ab 1618 sang er als Tenor und spielte als Hofmusiker unter Erzherzog Leopold I. Auf ihn gehen drei große Sammlungen zurück, die nicht nur sein Können als Kirchenmusiker belegen. Die 24 Geistlichen Konzerte der ersten werden ergänzt durch vier im Frühbarock sehr beliebte Ricercari für Zink und Posaune, die zweite ebenfalls in Straßburg 1628, sechs Jahre später, gedruckte enthält 36 Geistliche Konzerte. Unmittelbar an diese schließt eine Kollektion von Psalm-Vertonungen für die Vespermesse an, die der Nachwelt leider nur unvollständig erhalten blieb.
Zbor Joža Vlahović: Aufnahmen