Schlagwort: Samuel Bächli

  • Engelsstimmen über der Tiefe

    Eine Fliesenillustration am U-Bahnhof Deutsche Oper in Berlin verewigt einen französischen Komponisten der Romantik, dem (nicht nur) gelegentlich ein Hang zum Empfindsamen ebenso nachgesagt wurde wie eine leicht schwebende, gesanglich gefällige Melodie- und Orchesterstimmenbehandlung. Charles Gounod (1818 – 1893) verzichtete auf übertriebenes Pathos, die Auslotung der Extreme und suchte nach einer lyrischen Musiksprache, die manchmal Volkstümliches einbezog.

  • Mit Fantasie ausgewählt

    An diesem Freitagabend war im Vorfeld zur Schubertiade 2017 vom 29. bis 30. April am Theater Erfurt anlässlich der zweiten Aufführung des 6. Symphoniekonzerts der Saison ein kontrastreiches Programm mitzuerleben. Ein solches Konzept, diesmal ohne Alte Musik im engeren Sinn, scheint auch aufzugehen, denn offensichtlich hatte sich erneut ein buntgefächertes Publikum eingefunden. Zur Einstimmung gab es Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre Romeo…

  • Hercules: Mythos und Melos

    Zur Darstellung mythologischer Inhalte muss ein Regisseur nicht zwingend ein großes Farbspektakel inszenieren, doch kommt es, wie das Erfurter Theater heute Nachmittag zeigte, auch auf die Hell-Dunkel-Kontraste an, gerade wenn der Stoff ins Abgründig- Tragische kippt. Dies ist bei GF Händels Oratorium Hercules – uraufgeführt in London 1745 – nämlich wie bei Dutzenden von Realisationen antikisierender Musikdramen…

  • Mit oder ganz ohne Herbststimmung

    Eher selten ist Giacomo Meyerbeers Oper Die Hugenotten auf der Musiktheaterbühne zu sehen. Das Theater Kiel hat diesen Schritt Ende September gewagt und mit der Choreographie von Joanna O’Keeffe und unter der Leitung von Daniel Carlberg eine eher historisch fundierte Inszenierung geschaffen. Am Freitag, den 11. November sowie am Samstag, den 26. November – jeweils mit Beginn…

  • Shakespeares Sonne und Midoris Melos

    Mit Fingerspitzengefühl und Geschick setzt das Theater Erfurt auch für die kommende Saison 2016/2017 nicht wie manch anderes Haus auf Motti oder eine breitere Spartendiversifizierung, sondern auf Abwechslung und Publikumsmagneten. Lediglich das Thema „Liebe“ schwebt nun verbindend über dem Gesamtprogramm: Das Shakespeare-Jahr geht mit vier Versionen von Romeo und Julia in die Verlängerung. Los geht es am 15. Oktober…

  • Glaube und Wahn, Klarheit und Prägnanz

    Zum wiederholten Mal saß am Donnerstagabend anlässlich des 10. Symphoniekonzerts der Saison als Gast Marko Nikodijevic im Publikum des Erfurter Opernhauses. Seine dem Umfang nach recht knapp gehaltene Motette exaudi / bruckner Abglanz nach dem 54. Psalm des Alten Testaments schrieb er mit 20 Jahren und kann sie daher zu Recht heute als Ausdruck einer jugendlichen Sturmzeit…

  • Was bedeutet die digitale Revolution?

    Da „alles fließt“, auch die Zeit, kann man zur These, nach der die fädenziehenden Akteure der digitalen Gesellschaft ihre Errungenschaften und Durchsetzungen zugespitzt als mediale Revolution feiern, verschiedene Meinungen haben; nicht zuletzt war diese ohne Johannes Gutenbergs Vorleistung auch nicht denkbar. Der Mensch wird sich in seiner Natur ohnehin der bloßen Messbarkeit und Definition durch Nullen und Einsen,…

  • Aus Respighis, Bizets und Brittens Werkstatt

    Das Barometer für ein reges Musikleben zeigt im Oktober steil nach oben. Nicht nur am Theater Erfurt selbst wird das 3. Symphoniekonzert am kommenden Donnerstag und Freitag jeweils um 19.30 Uhr mit Spannung erwartet. Auf dem Programm steht das Violinkonzert von Jean Sibelius in d-Moll, der Serbe Marko Nikodijevic präsentiert sein fulminantes GHB / Tanzaggregat…

  • Eine stimmstarke Rächerpartie

    Wiederum gelang mit Rupert Lummers Neuinszenierung des 1851 in Venedig uraufgeführten Musikdramas Rigoletto von Giuseppe Verdi in Erfurt ein großer Wurf: Als Gast war der stimmstarke und facettenreiche aus dem südafrikanischen Port Elizabeth gebürtige Bariton Siyabulela Ntlale in der Hauptrolle zu bewundern; er gastiert zum ersten Mal am Theater Erfurt und gibt gleichzeitig hier sein Deutschland-Debut. Zuvor…

  • Gelungener Brückenschlag

    Eine Verbindung von Musik des frühen 17. Jahrhunderts mit einem Werk aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ist unkonventionell, aber der Brückenschlag gelang am Donnerstagabend im Erfurter Theater: Generalmusikdirektor Samuel Bächli gelang es, eine Auswahl aus Schütz‘ Psalmen Davids (1619) sinnfällig mit Schostakowitschs 8. Symphonie c-Moll (1943) zu verbinden. Einmal besteht schon per se eine thematische Gemeinsamkeit,…