Schlagwort: New York

  • Seele und Eleganz

    Wegen seiner auch für damalige Verhältnisse extrem aufwändigen Hochzeitsfeier mit der schwedischen Künstlerin und Dichterin Ella Ström wäre man versucht dem US-amerikanischen Komponisten australischer Herkunft Percy Grainger (1882 – 1961) übersteigertes Standesbewusstsein zu unterstellen. Doch handelte es sich um eine ausgesprochene Liebesheirat, zu deren Feier ein Konzert von sage und schreibe 20.000 Zuhörern gegeben wurde: Im Hollywood Bowl…

  • So fing alles an – mit den Blue Notes

    Mit seinen gut gelaunten expressiv-motorischen Ragtimes kann Scott Joplin (1868 – 1917) als der Vorläufer aller „schwarz“ geprägten Musikstile des 20. Jahrhunderts gelten, nimmt man den Bereich der geistlichen Spirituals und des Gospel einmal aus. Die Bezeichnung für den wesentlich von ihm (mustergültig) geprägten Stil bezieht sich auf die stark synkopierte, also zerdehnte oder „zerrissene“ Spielweise…

  • Tastenwunder Cembalo

    Dass das nicht eben laut tönende Cembalo und seine Artverwandten auch als Solisten mit Begleitung eine brillante Rolle spielen können, zeigen demnächst wieder Konzertauftritte vielerorts: Das exzellente polnische Duo Alexandra & Alexander Grychtolik stellt im Rahmen der Bachtage der Stadt Halle in Westfalen zusammen mit dem Ensemble Aperto J.S. Bachs Konzerte für 2 Cembali und…

  • Notizzettel zum Jahreswechsel

    In der Berliner Philharmonie erwartet Chefdirigent Simon Rattle am Silvestertag um genau 17.25 Uhr den gefeierten neunzigjährigen Pianisten Menahem Pressler zu einem Konzert mit dessen erklärtem Lieblingskomponisten Mozart und seinem Klavierkonzert A-Dur (KV 488). Der „Grandseigneur“ des Klavierspiels, der erst kürzlich für die „überlegene Heiterkeit“ seiner Interpretation gelobt wurde, hatte 1955 das bekannte Beaux Arts Trio gegründet,…

  • Harfenrhapsodie, Spirituals und der blaue Planet

    Eine amerikanische Komponistin, die sich in verschiedensten Genres versuchte und in Europa tendenziell noch unbekannt ist, sollte aus der Reihe auch einmal zu einem ungeraden, nämlich 101. Geburtstag gewürdigt werden: Peggy Stuart Coolidge (1913 – 1981), die in Swampscott im Bundesstaat Massachusetts geboren wurde und nicht weit entfernt in Boston auch einen Großteil ihrer Schaffensjahre verbrachte, orientierte sich besonders…

  • Komplex und kurios – Elliott Carters Instrumentalwerke

    Studiert ein Dirigent erstmals Carters Variations for Orchestra ein, wird er seinen Musikern erst einmal Zeit zum Atemholen lassen müssen: Denn der persönliche komplizierte Stil des noch hochbetagt schaffenden New Yorker Komponisten (1908 – 2012) aus der Schule von Walter Piston und Gustav Holst sah schon früh neben eher technischen Klippen verschiedene, gleichzeitig ablaufende Tempi…

  • Minimalistische Experimente oder „Brauche ich das Publikum um jeden Preis?“

    Die Anfänge dieser musikalischen Karriere wirken alles andere als spektakulär, denn in den 1950er Jahren begeisterten sich viele Instrumentalisten, allen voran Saxophonisten wie La Monte Thornton Young, für den Jazz. Doch der 1935 in Bern im US-Bundesstaat Idaho geborene Musiker absolvierte nach intensiven Begegnungen mit dem Jazz und einem Klarinetten- und Saxophonstudium in Los Angeles ein…

  • Für Klavier mit Begleitung – Werke der Pianistin Amy Beach

    Ebenso wie Hector Berlioz selbst, dessen Instrumentationslehre sie zur Orchestrierung eigener Werke studierte, war Amy Marcy Cheney (1867 – 1944) eine weitestgehend autodidaktisch gebildete Komponistin. Ihr Elternhaus stand in West Henniker im US-Bundesstaat New Hampshire, wo sie – noch beinahe ein Baby – die ersten Zeichen musikalischer Begabung zeigte und schon als Kleinkind mit Mehrstimmigkeit…

  • Nur physisch in der Fremde?

    Als Sergej Rachmaninow in Skandinavien 1918 eine längere Konzertreise antrat, war er sich bewusst, dass er im übrigen Europa wegen des Kriegs keine Chance zu weiteren Auftritten hatte. So musste ihm das Angebot aus den Vereinigten Staaten, mit dem damals schon renommierten Bostoner Symphonieorchester zusammenzuarbeiten, durchaus begehrenswert erschienen sein. Beinahe überwog aber die Skepsis, denn die Aussicht darauf,…

  • Von kubanischen Plantagen: Komplexes Rankenwerk für die Akustikgitarre

    Leo Brouwers Aussage Die Struktur ist ein grundlegendes Element meiner Arbeit steht  in scheinbarem Widerspruch zu seinem eher intuitiven Kompositionsstil, der vor allem anderen von Klangerlebnissen ausgeht. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass der ehemalige Sologitarrist aus Havanna seinen Werken trotz der großen künstlerischen Freiheit, die er zu nutzen verstand, ganz bewusst eine stimmige Form gab – auch…