Schlagwort: Michael Praetorius

  • Schubfächer und Etiketten

    Klassifizierte Michael Praetorius im dritten Band seines Syntagma (1619) Musik zunächst nach ihren Klangkörpern, menschlichen Stimmen oder Instrumenten, dann nach „Affektsphären“, also ihrem räumlich bedingten Ausdruck, nach ihrer sozialen Praxis und schließlich nach der Textbasis, so wandelte sich im 18. Jahrhundert die Grundlage der Differenzierungen hin zur Unterscheidung zwischen den Benennungen von Werk(grupp)en und den Stilen oder…

  • Tympanon, Rankett, Flexaton

    Sieht aus heutiger Perspektive aus wie eine Kreuzung einer Wasserpfeife mit einem Nudelholz – ist aber (funktionell) weder das eine noch das andere: das aus Ensembles längst verschwundene Rankett, dem in der Barockzeit die Ähnlichkeit mit einem Spinnrocken nachgesagt wurde – daher die italienische Bezeichnung „rocchetta“. Wie bei Oboe, Fagott und Englisch Horn handelt es…

  • Wurde der Zink zum Horn?

    Die schwierige Intonation des Zink, der seiner Gestalt nach einem Signalhorn nicht ganz unähnlich sieht, sorgte wohl dafür, dass er aus Orchestern und kleineren Formationen nach der Barockzeit weitgehend verbannt blieb. Den im 16. wie 17. Jahrhundert hochbeliebten Tenorzink oder Corno torto löste tatsächlich nach 1700 das Waldhorn ab. Dabei hatte der Zink in der Blütezeit seiner Verwendung, unter anderem…

  • Ein Fossil der Barockzeit?

    Ein Brummbass, wie er auch von der historisch weit zurückreichenden Sackpfeife erzeugt wird, zeichnet verschiedene – daher so benannte – Borduninstrumente aus, darunter die Drehleier. Bordun bezeichnet einfach einen tiefen ausgehaltenen Ton als Begleitung zur Melodiestimme. Dabei handelt es sich um den Grundton einer Tonart oder die reine Quinte zu diesem, wobei auch beide zusammen gespielt werden können. Ein…

  • Was ist original an der Mittelalter-Welle?

    Da aus der Epoche, die wir mit dem Fokus der Aufklärung als (düsteres) Mittelalter bezeichnen, keine mehrstimmige weltliche Musik überliefert ist, glaubten viele eine Zeit lang auch nicht an die Existenz einer solchen. Dies suchen romantikbesessene Spielleute nun auch schon seit mindestens dreißig Jahren nach Kräften zu widerlegen. Auf Stadtfesten, Jahrmärkten und Musikfestivals sind sie allerorts zu…

  • Brando – nicht immer ein Schauspielername …

    Einer der ältesten heute noch bekannten europäischen Kunsttänze ist der Branle, in Italien auch als Brando bekannt. Der aus dem 12. Jahrhundert überlieferte Kettentanz kannte von Region zu Region unterschiedliche Schrittfolgen. Namengebend war eine charakteristische Bewegung, die er erforderte, nämlich sich von einer Seite auf die andere zu wiegen. Hier ist aber nur der Schlussschritt gemeint,…

  • Denkwürdig: Das Kontrafagott in der Solistenrolle

    Konzertgängern und Klassikhörern überhaupt ist das Fagott vertraut als geknicktes Doppelrohrblattinstrument in konischer Formung aus Holz. Im Orchester eignet es sich wegen seiner reichen klangfarblichen Möglichkeiten nicht zuletzt auch wie andere Instrumente, die in früheren Zeiten als „basso continuo“ verwendet wurden, zur Fundierung der harmonischen Vorgänge. Noch mehr gilt dies natürlich für das tieferstimmige Kontrafagott,…

  • Mitteldeutsche Ensemblemusik im 17. Jahrhundert

    Ausgehend von den Sequenzen des fränkischen Reichs, dem Choral lutherischer Prägung und kaum aufgeschriebener weltlicher instrumentaler Musik bildete sich im mitteldeutschen Raum an der Schwelle zum Zeitalter der sonata da camera eine – dank zahlreicher Fürstenhöfe und eines für Kirchenmusik aufgeschlossenen Klerus – dicht besetzte Schule spieltechnisch wie musiktheoretisch gut ausgebildeter Musiker aus. Zu den Komponisten von…