• Von der italienischen Oper zur Landesgeschichte

    Betrachtet man das Staatsgefüge Portugals seit der frühen Neuzeit, fällt seine geohistorische Vielgestaltigkeit ins Auge, denn schließlich gehörte neben Brasilien und den afrikanischen Kolonien auch Macao im südchinesischen Meer zu seinen temporären Besitzungen. So erstaunt es nicht, dass die Künste des auf die Sicherung exterritorialer Gebiete ausgerichteten Königtums gerade zur Zeit der Festigung der eroberten Länder ihre größte…

  • Trommelfeuer in Belize

    Da der Karibikstaat Belize im Westen direkt an Mexiko und Guatemala angrenzt, verwundert es nicht, dass sich die heutigen Bewohner genealogisch zum Teil auf die Maya zurückführen können. Neben der Mehrheit der Mestizen stellen die Nachfahren afrikanischer Sklaven, Garifunas oder Garinagus genannt, die einst von den Kleinen Antillen kamen, einen größeren Teil der Bevölkerung. Ihr…

  • Produktive Ergebnisse einer Rivalität

    Nicht etwa der Versailler Hof mit Molières und Lullys Bürger als Edelmann, sondern das Jahrmarktsheater mit seinen ausgelassenen Vaudevilles ist der Ort, an dem die Ursprünge der opéra comique zu suchen sind. Diese standen seit dem 17. Jahrhundert in Konkurrenz mit den italienischen Wandermusikern und Stegreifdarstellern – eine Rivalität, die wenig später auf höherer Ebene…

  • Feste feiern – in der amerikanischen Musik

    Die Varianten des größten Volksfests der Welt finden sich auch in den USA nicht eben in geringer Zahl, nachdem schon im Zuge der amerikanischen Besatzung im süddeutschen Raum Ableger entstanden waren. Der Flecken Helen im Norden Georgias begeht das Little Octoberfest ebenso mit dem Bemühen um Originaltreue wie das größte dieser – häufig im Gedenken…

  • Lôbos Initialzündung

    Achtung Verwechslungsgefahr: Eduardus Lupus, ein Komponist der frühen Barockzeit aus Lissabon und Elias Álvares Lôbo, 1834 im heutigen zur Provinz São Paulo gehörenden Touristenort Itu geboren, haben außer der gemeinsamen Schriftmuttersprache nichts miteinander zu tun und Lôbo ist auch kein Verwandter von Heitor Villa-Lobos. Letzterer wirkte zunächst als Kapellmeister in seiner Geburtsstadt und wechselte seinen Wohnsitz später nach…

  • Projekt Semaphore

    Selbst in den Lebensläufen australischer Komponisten, deren Spuren zwischenzeitlich ja häufiger nach Europa führen, ist ein Aufenthalt in den Niederlanden ungewöhnlich. Kate Neal vervollkommnete sich nach Jahren ihrer „Grundausbildung“ am Victorian College of the Arts in Melbourne bei Mary Finsterer am Königlichen Konservatorium Den Haag mit Louis Andriessen und am Sweelinck Konservatorium Amsterdam in dem unkonventionellen Spezialgebiet Karnatische Musik-Studien bei…

  • Schwierige Werke – dynamisch voluminös und subtil interpretiert

    Beide Rahmenwerke des Konzerts am Samstagnachmittag in der Weimarhalle sind Organisten zu verdanken, während das Mittelstück auf einen polyphonen Chor zurückgeht. Der erste Teil galt Bearbeitungen, der zweite Teil einem Originalwerk: Das Bundesschulmusikorchester brillierte zu seinem 20jährigen Bestehen in Perfektion zunächst mit J.S. Bachs Präludium und Fuge Es-Dur im Orchestersatz von Arnold Schönberg, danach mit…

  • Heimspiel für Telemann

    In der Hamburger Laeisz-Halle macht derzeit einer der bekanntesten Komponisten der Elbstadt, Georg Philipp Telemann, wieder mehr von sich reden: Am heutigen Abend ist im Rahmen der Konzerte der engagierten Telemann-Gesellschaft dort um 20 Uhr sein Concerto e-Moll für Blockflöte, Traversflöte, Streicher und Basso continuo unter Leitung des ersten Violinisten des Ensembles Matheus, Jean-Christophe Spinosi, zu…

  • Purcell am Flügel?

    Manche Hörer werden sich angesichts der ausufernd vielen neueren Aufnahmen von Tastenstücken aus der Zeit um 1700 fragen, ob es wirklich Sinn macht, barocke Zopfträger posthum an den Steinway zu setzen. Selbst wenn wir berücksichtigen, dass für Komponisten wie Händel und Bach die genaugenommene Besetzung eines Werks häufig nicht Priorität hatte: Woher wollen wir denn wissen, dass sich Domenico Scarlatti und Jean-Philippe…

  • Wettstreit mit Engelszungen

    In Konkurrenz mit den skandinavischen Luren und der Leier steht eigentlich nur noch die Harfe – wenn es um die Langzeitexistenz von Musikinstrumenten geht. Letztere ist schon um etwa 3000 v. Chr. in Ägypten und Mesopotamien bezeugt und liegt in zahlreichen Varianten vor. Die verzweigte Entwicklung in der Neuzeit hat mit ihrer Perfektionierung und Anpassung an…