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Kampf als Tanz
Bei der Capoeira handelt es sich vorderhand nicht um eine musikalische Form, sondern um eine uralte afrikanische Kampfkunst, für die genaue Bewegungsabläufe vorgegeben werden, welche ebenso nach normativen wie praktischen Regeln ablaufen; ähnlich wie beim Judo sind sie so erdacht, dass physische Verletzungen vermieden werden.
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In wolkiger Form
Luftig und wolkig wirkt dem Korpusaussehen nach ein altes Cister-Instrument, dessen Bedeutung als Zupfinstrument sich ausschließlich auf die Zeit der Renaissancepolyphonie und des Früh- und Hochbarock zentriert. Aus diesem Grund dürfte das Orpheoreon oder Orpharion heute nur noch eine Angelegenheit von Experten für Kastenhalslauten sein. Einer von wenigen dieser Zunft ist aktuell Dieter Schossig, der…
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Wiedergeborenes Arkadien
In der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts erst wurde die stilistisch zwischen Empfindsamkeit und Vorklassik anzusiedelnde Instrumentalmusik einer für die Entwicklung in Italien bedeutenden Cembalistin und Komponistin wiederentdeckt; seither sind auch ihre Opern auf dem Weg zu den Bühnen. Zwei von ihnen, nämlich Ulisse in Campania, gekennzeichnet als „serenata in due atti“ und das „componimento drammatico“…
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Schubfächer und Etiketten
Klassifizierte Michael Praetorius im dritten Band seines Syntagma (1619) Musik zunächst nach ihren Klangkörpern, menschlichen Stimmen oder Instrumenten, dann nach „Affektsphären“, also ihrem räumlich bedingten Ausdruck, nach ihrer sozialen Praxis und schließlich nach der Textbasis, so wandelte sich im 18. Jahrhundert die Grundlage der Differenzierungen hin zur Unterscheidung zwischen den Benennungen von Werk(grupp)en und den Stilen oder…
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Klappernde Kastagnetten
In folkloristischer Musik des spanisch-arabischen Sprachraums und auch im südlichen Italien erfreuen sich die Kastagnetten, den griechischen Krotala verwandt, seit Jahrhunderten großer Beliebtheit, auch wenn gerade die ursprüngliche Form dem Lernenden einiges abverlangt. Durch raffinierte und komplexe Spieltechnik der mit einem Band an Daumen oder auch Mittelfinger befestigten Hartholzschalen, die – vorzugsweise an beiden Händen – gegeneinander…
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Venedig und Paris
Nicht nur eine Mode unserer Zeit ist es, wenn für Aufführungen von Musik des 17. Jahrhunderts harmonische Füllstimmen hinzugenommen werden – wiedergegeben durch historisch adäquate Instrumente wie Theorbe, Erzlaute, Chitarrone oder Viola da gamba, außerdem durch Holzbläser. Beliebt waren vor und um 1700 insbesondere solchermaßen ergänzte Konzerte mit Liedern, akkompagniert vom Basso continuo. In der Nähe der…
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Neben Purcell
Überwiegend instrumentale Inzidenzmusiken am Ort der Ouvertüre, des Zwischenakts, zur Begleitung, zu Verwandlungsszenerien und Schlüssen von frühen Opern oder Schauspielen schrieben im England der Rückkehr Charles‘ II. an den Hof etliche Zeitgenossen Henry Purcells. Auch wenn dessen prägnante Ayres for the Theatre heute am bekanntesten sind, so befand er sich in einem produktiven Konkurrenzverhältnis zu…
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Ausgewandert
Was vor wenigen Jahren der portugiesische Komponist Sérgio Azevedo, Jahrgang 1968, der Journalistin Martina Brandorff beim Deutschlandfunk verriet, ist nichts weniger als ein gelungener Versuch, Konstellationen klassischer Instrumentalmusik in unsere Gegenwart zu übertragen: Das „Konzertieren“ eines Solisten mit dem Orchester im wörtlichen Sinn sei eine Form des Dialogs zwischen der „Gesellschaft und dem von ihr ausgeschlossenen…
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Aktionsräume der Musik
Nehmen auch die Oratorien und weitere geistliche Kompositionen den größten Teil von Sylvie Bodorovás Werk bis heute ein, so umfasst ihre häufig an Programmen orientierte Musik doch einen viel größeren Aktionsraum, der von Sololiteratur für Gitarre, Violine, Klarinette, Fagott und Flöte über mehr formal bestimmte Kammermusik für mehrere Instrumente bis hin zu Symphonien mit ungewöhnlicher Satzstruktur reichte. Ebenso breit…