Kategorie: Wissenswert

  • Bunte Brise aus Tönen

    Aus eurozentrischer Sicht mag die Entwicklung der Musikgeschichte in der Karibik, hier der Dominikanischen Republik, verspätet erscheinen. Durch die Initialzündungen verschiedener Persönlichkeiten im 20. Jahrhundert entstand aber ein Netzwerk, das verschiedenste Ausrichtungen und Stilmelangen insbesondere aus der Folkloristik und dem Jazz, um nur zwei Beispiele anzuführen, begünstigte. Da die Hauptstadt Santo Domingo im Jahr 1822 von…

  • Alles andere als eine blosse Erfindung: Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern

    Hans Christian Andersen beendete die Arbeit an einer seiner populärsten Erzählungen, Den lille pige med svovlstikkerne – 1849 im Rahmen der Sammlung Eventyr herausgegeben – 1845 bei einem neuntägigen Aufenthalt auf Schloss Gravenstein in der Flensburger Förde. Der alte Adelssitz, auf dem er sie schrieb, steht in gewissem Kontrast zum bekannten Inhalt der immer wieder aktuellen Geschichte: Deren…

  • Wie klingen Suiten und Rhapsodien mit rumänischer Note?

    Bevor er die Gelegenheit ergreifen konnte, bei Jules Massenet und Gabriel Fauré am Pariser Konservatorium sein Kompositionsstudium fortzusetzen, hatte der 1881 im rumänischen Dorf Liveni Vîrnav geborene Violinist, der bereits als fünfjähriges Kind komponierte, im Alter von sieben in Wien zu studieren begonnen. Das Poème roumain des Achtjährigen begründete schon durch die einzigartige Verbindung von rumänischer…

  • Bagatellen und andere Nebensachen

    Das französische Wort für eine spaßhafte Tändelei passte vor geraumer Zeit genau auf einen Suitensatz lustigen Charakters: Die Badinage oder auch Badinerie lief zudem durch ihr schnelleres Tempo selbst der Gavotte ihren Rang im Reigen der munteren barocken Tänze ab. Internationale Bekanntheit bis heute garantiert ihr fast ausschließlich Bachs Verwendung als „Rausschmeißer“ am Ende seiner 2. Ouvertüre…

  • Invocazione Per strumenti

    1969 feierte man sie beim 43. Weltmusikfest in Hamburg für ihr opulent instrumentiertes Werk Septem Tubae, in dem Chor, Orchester und Orgel wohl in Anspielung auf die legendären Trompeten von Jericho Kirchen und Konzertsäle dynamisch ausfüllen. Bernadetta Matuszczak, die 1931 in Toruń geboren wurde, gehört zwar zum Kreis der schon teilweise avantgardistisch ausgerichteten Komponistinnen um Marta…

  • Folia, Canario & Rondella aragonesa

    Am westlichen Rand der iberischen Welt, in portugiesischen Hofchroniken sind erstmals die Vorformen der Folia bezeugt. In Dichtungen Gil Vicentes und anderer Autoren tauchen sie als Tanz- und Gesangsdarbietungen auf. Allerdings bleiben ihre Melodien und Formen zunächst im Dunkeln. 1611 beschreibt sie de Covarubbias als lautstark begleitete Vorführung verkleideter, vermummter Tänzer, die dem Wortsinn den Anschein erwecken…

  • Lully & Molière: Ihr letzter gemeinsamer Theatercoup

    Das letzte große Gemeinschaftswerk von Molière und Jean-Baptiste Lully, datiert 1670,  ist mit Pascal Rénéric als Möchtegern-Aristokrat und wohlhabender Monsieur Jourdain, Bénédicte Guilbert als Dorimène und Nicolas Orlando als Fechtmeister im kommenden April im Schloss Versailles – also der Umgebung seiner Entstehung und Premiere denkbar nahe –  in vier Aufführungen zu erleben. Christophe Coin leitet das Ensemble La Révérence in der…

  • Eine eher beiläufige Verwandtschaft: Zwei Violinkonzerte von Philip Glass

    Genau genommen wurde er in Europa populär durch seine Filmmusik zur Trilogie von Godfrey Reggio, die sich über 26 Jahre hinzog, angefangen bei Koyaanisquatsi bis zu Naquyqatsi (2002), die sozusagen die New Age Bewegung begründeten: Philip Glass, Jahrgang 1937, aus Marylands größter Stadt Baltimore studierte in New York und Paris Klavier und Komposition, nachdem er bereits…

  • Komplex und kurios – Elliott Carters Instrumentalwerke

    Studiert ein Dirigent erstmals Carters Variations for Orchestra ein, wird er seinen Musikern erst einmal Zeit zum Atemholen lassen müssen: Denn der persönliche komplizierte Stil des noch hochbetagt schaffenden New Yorker Komponisten (1908 – 2012) aus der Schule von Walter Piston und Gustav Holst sah schon früh neben eher technischen Klippen verschiedene, gleichzeitig ablaufende Tempi…

  • Vom Scherzo verdrängt: das Menuett

    Die Behauptung, dass Menuette erstmals am Hof Ludwig XIV. nach Lullys Musik getanzt wurden, scheint zweifelhaft, denn Tänze mit „kleinen Schritten“ im Dreivierteltakt, um die Bedeutung vorab zu klären, gab es auch schon früher – in Frankreich namentlich bekannt durch den Volkstanz Branle aus der Provinz Poitou. In Deutschland zumal wurde der Paartanz, der sich nicht nur am Hof…