Kategorie: Wissenswert

  • Zwei Inseln im Schlepptau

    Im Kielwasser von Isla Margarita, der größten Insel des kleinsten Staatsgebiets im Raum der kleinen Antillen „unter dem Winde“ liegen zwei weitere, nämlich Coche und Cubagua, von denen letztere nur sporadisch bewohnt wird und aus der Vogelperspektive einem nach Westen ausgerichteten Fisch mit Schwanzflosse nicht unähnlich sieht. Im Jahr 1909 verleibte sich Venezuela den nordöstlichen…

  • Gel(i)ebtes Saxophon

    Mit Vertigo, einem Duett für Klarinette und Saxophon, später umgeschrieben für zwei Saxophone, startete eine lange Reihe vielversprechender, vor allem kammermusikalischer Kompositionen: Damit trug die in Sydney beheimatete Saxophonistin Katia Beaugeais erst 2005 in gedruckter und veröffentlichter Form zur zeitgemäßen Literatur für „ihr“ Instrument bei. Doch von primärer Bedeutung für die Verbreitung ihrer Stücke war nicht…

  • Vom Hörsaal in die Konzerthalle

    Zog es auf dem sechsten Kontinent kontinuierlich Musikschaffende und andere Künstler in die kulturell pulsierenden Metropolen der südlichen Landesteile? Bei João Baptista Siqueira scheint dies jedenfalls voll und ganz zuzutreffen.

  • Theodore Thomas und die Boston Six

    Als Wiege der Ausübung von US-Kunstmusik vor größerem Publikum gilt Boston, heute eine der wohlhabendsten und auch größten Städte der Welt, die Einwanderer aus Europa (schon seit ihrer Existenz) magisch anzog: 1729 fand das erste öffentliche Konzert dort statt, New York und Philadelphia folgten mit einigen Jahren Verspätung. Aufs Ganze gesehen waren freilich die in…

  • Die Suche nach Erweiterung: Mikrotonalität

    Unterschreitungen des Halbtons im westlichen Notensystem definiert der Begriff „Mikrotöne“ nur unzureichend. Erst Ende des 19. Jahrhunderts suchte man etwa Vierteltöne auch in kompositorische Konzepte einzubeziehen, um den Ton- und Klangvorrat auszuweiten. In der Folge kam es jedoch zu keiner genaueren Bestimmung von Mikrointervallen. Die Teilung der Oktave in 17, 19, 31 oder mehr Teile…

  • Von der lombardischen Mandoline

    Für gewöhnlich wird heute in Konzert und Unterricht die vierchörige neapolitanische Mandoline genutzt, die früher aus Schildpatt oder Kirschholz gearbeitet war und mit Stahlsaiten bespannt ist. Ihre wohl der Lautenstimmung halber weniger gängige, aber früher „geborene“ Schwester ist die in der Regel sechschörige, mit Darmsaiten bespannte Mandoline, die als lombardische, Mailänder oder Barockmandoline bezeichnet wird und überwiegend etwa…

  • Mode mit langem Atem

    Selbst so bedeutende Kompositionslehrer wie Leonardo Leo und Francesco Durante hätten zu Beginn ihrer Karriere in Neapel wohl nicht im Traum damit gerechnet, welch nachhaltige Entwicklung ihr für damalige Verhältnisse exklusiver Stil in der Schülerschaft zeitigen würde. Die Rede ist hier unter anderen von Niccolò Jommelli, Giovanni Battista Pergolesi, Tomaso Traetta und Gian Francesco de Majo. Als…

  • Goldwerte Antiphone

    Kürzlich machte Domingos Lins Brandão darauf aufmerksam, dass in Minas Gerais seit dem 17. Jahrhundert eine Vermischung kultureller Einflüsse stattfand, beginnend mit den Motetten des Portugiesen Francisco Martins (1625 – 1680), die zu der verbreiteten archaisierenden Sammlung Motetos de Piranga hinführten. Der nicht leicht zu identifizierende Dialog zwischen europäischen und brasilianischen Modellen von Stimmführung und Harmonik scheint etwa verantwortlich gewesen…

  • Wurde der Zink zum Horn?

    Die schwierige Intonation des Zink, der seiner Gestalt nach einem Signalhorn nicht ganz unähnlich sieht, sorgte wohl dafür, dass er aus Orchestern und kleineren Formationen nach der Barockzeit weitgehend verbannt blieb. Den im 16. wie 17. Jahrhundert hochbeliebten Tenorzink oder Corno torto löste tatsächlich nach 1700 das Waldhorn ab. Dabei hatte der Zink in der Blütezeit seiner Verwendung, unter anderem…

  • Das Museum – zum Leben erweckt

    Museales wird lebendig: Dabei denken wir hier nicht an die fortgesetzte Faszination eines US-Kinoschlagers, dessen numinose Seite sich nicht zuletzt dem unheimlichen Helm in Walpoles The Castle of Otranto, Eichendorffs dämonischem Marmorbild oder dem mit bedrohlicher Stimme singenden Standbild des Komturs in Mozarts Don Giovanni verdankt. Vielmehr meinen wir, wie starre Artefakte, seien es Bilder oder Skulpturen,…