Kategorie: Wissenswert
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Vorzugsweise freie Formen
Hängt es möglicherweise mit der historischen Kongruenz von Haus- und Kammermusik zusammen, dass ein namhafter australischer Musikwissenschaftler, Larry Sitsky, Komponisten in Bausch und Bogen als Pragmatiker bezeichnet, die für (unmittelbar) verfügbares Instrumentarium schreiben, nach passenden Gelegenheiten, die sich nicht vorrangig nach Kalender- oder Kirchenjahr richten, sondern mehr nach persönlichen Bezugnahmen und den Umständen vor Ort: Wo nur Orgel, Chor…
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Gesungene Worte – für jeden Kalendertag
Rekordverdächtige Leistungen wollten vielleicht gerade in der Renaissance aufgestellt werden, denn begabte Künstler, Naturwissenschaftler oder Schriftsteller wie Leonardo da Vinci suchten in ihrem neuhumanistischen Verständnis, nach dem der Mensch nicht länger nur ein Staubkorn in Gottes Schöpfung sei, sondern wegen seiner spezifischen Fähigkeiten als Allrounder verschiedenste Wissensgebiete im theoretischen wie im praktischen Sinn bedienen sollte,…
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Indigene Musik Brasiliens – wo es sie (noch) gibt
Zwar existieren auf dem Gebiet des Halbkontinents Brasilien zahlreiche Mischformen aus dem genuin afrikanischen Candomblé, insbesondere demjenigen angolanischer Herkunft, doch enthalten auch der Samba und der Maracatú nur wenige indianische Elemente aus den Kulturen der ältesten Bevölkerungsteile.
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Dur und Moll – wann und wie
Erst kürzlich ging Peter Sühring anlässlich seiner Besprechung der 2015 erschienenen Studie Modus in den Chansons von Binchois der in Saarbrücken promovierten Musikwissenschaftlerin Astrid Opitz auf die Bedeutung der besonderen Formelschlüsse im Werk des franko-flämischen Meisters ein, der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wirkte.
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Tyrannosaurus Compositor
Gibt und gab es sie oder waren sie wie zu den aristokratisch dominierten Zeiten Mitteleuropas nur Auftraggeber? Komponisten, die in hohe Staatsämter aufstiegen, stellen eher eine Seltenheit dar, wofür der einstige polnische Ministerpräsident Ignacy Jan Paderewski, ein aufrechter Freiheitskämpfer und ausgebildeter Pianist, beispielhaft stehen mag. Die Betriebsblindheit nicht nur hinsichtlich der Künste galt vice versa für Diktatoren und Ächter moderner Musik…
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Erfindung mit begrenzter Reichweite?
Der Wunsch nach einer praktischen, einfacher spielbaren Oboe brachte den Musikmeister eines französischen Regiments, Pierre-Auguste Sarrus, auf die Idee, etwas gänzlich Neues zu entwickeln. Das nach ihm so benannte Sarrusophon sollte Halblochdeckungen und Gabelgriffe, wie sie gewöhnlich erforderlich waren, überflüssig machen, die einheitliche Bohrung aller Löcher dem Musiker das Spiel wesentlich erleichtern. Seinen Plan setzte die…
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Die wahre Königin von Saba
Lakonisch heißt es in einer bekannten Online-Enzyklopädie, Saba, einer der ehemaligen Niederländischen Antilleninseln, verfüge über eine ausgeprägte Tanzkultur, die in verschiedenen Restaurants heimisch sei: Dazu zählten eine entsprechende Bandbreite an Varianten des Hip Hop, Calypso, Soca, Kompa, Zouk, Reggae, Merengue und Bouyon, letztere eine ursprünglich auf Dominica, Roseau und Guadeloupe gepflegte Mixtur aus traditionellen und modernen Tanzelementen, die…
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Tempo rubato – die Freiheit des Spielers
Die genaue Einhaltung des Metrums, namentlich in Gesangspartien, war kaum jemals geltende Konvention der musikalischen Praxis, abgesehen vielleicht von mancher strengen monodischen Liturgie der Kirche. Ganz im Gegenteil: Die freie Nutzung einer vorgegebenen Melodie oder eines Notentexts als partikulare und weitergehende Improvisation (hinsichtlich der Zeitwerte) war in allen Kulturen die Norm, zumal in folkloristischen Zusammenhängen, seien es Tänze…
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Mit mechanischem Klingelton
Tatsächlich gibt es auch im digitalen Zeitalter mit seinen Klingeltönen, die gegenüber den „Nachricht-eingetroffen“-Signalen mittlerweile eine untergeordnete Rolle spielen, noch mechanisch erzeugte spitze Töne, von denen viele „bewusst“ Glöckchen, wenn es sich nicht gar um echte Türglocken handelt, nur imitieren, etwa die Triangel.