Kategorie: Reviews

  • Verführungskunst als Treuebeweis?

    Dass Richard Wagner, sonst auch bekannt für antisemitische Ausfälle, gegen Mozarts Così fan tutte wetterte, macht diese oft mit dem Verdikt des Albernen belegte Oper als eine seiner letzten erst richtig sympathisch: Einmal, weil sie der realen Menschenwelt den Spiegel vorhält, zweitens, weil sie von fortgeschrittenem melodischem Einfallsreichtum ist, der die klassische Maßschneiderei auch einmal vergessen lässt.…

  • Behauptung des Indigenen

    Oft sind auf der Straße wie auch in den Tanzsälen und Auditorien des zentralsüdamerikanischen und fast ausnahmslos vom Urwald geprägten Staates Paraguay Harfen- und Gitarrenspieler anzutreffen. Ihr bekanntester Repräsentant ist bis heute der in San Juan Bautista de Misiones geborene Agustín Barrios ‚Mangoré‘, virtuoser Gitarrist und Komponist, der der lateinamerikanischen „romantischen“ Moderne seinen Stempel aufdrückte. Er legte sehr…

  • Cembalokunst im Rokoko

    Im Umfeld von La Rochefoucauld und La Bruyère am französischen Hof zur Zeit von Ludwig XIV. wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn auch Komponisten bestimmte Personen hinter ihren generalisierenden Werktiteln versteckt hätten.

  • Cithrinchen und seine großen Geschwister

    Wem ist hierzulande bewusst, dass sich das besaitete Begleitinstrument des portugiesischen Fado aus der Tradition der Renaissance-Cistern ableitet? Dem griechischen Ursprung nach geht das Wort auf die leierartige κιθάρα und demnach auf einen Vorläufer der Gitarre zurück. Dabei handelt es sich aber um eine Kastenhalslaute, wie sie vor allem im 16. Jahrhundert verbreitet war. Wegen der vielfältigen…

  • Horrorclowns – auch im klassischen Repertoire?

    Wie wir noch sehen werden: ja – im Instrumentalkonzert eher selten, auf der Bühne aus aktuellem Anlass öfter. Und ob „Lieblingssongs“ der Pop- und Rockszene als Abschreckungsmittel wirken, wie die Musikiathek jetzt meint, sei dahingestellt. Vorstellbar wäre zu diesem Zweck eher ein bukolisch-elegisches Oboenkonzert, denn sanfte Klänge aus der von harmlos tändelnder Schäferlyrik inspirierten Barock- und…

  • Stippvisite bei der Navy, in Rom und Moskau

    William Grant Still stand ihm in seiner beruflichen Entwicklung Pate und wirkte als Vermittler: Als der musikalisch infizierte und begabte Neffe des namhaften Jazzmusikers King Oliver die Universität von Arizona in Tucson mit einem Diplom für Klavier, Violine und Saxophon in der Tasche verließ, hatte der Amerikaner afrikanischen Ursprungs allen Anlass zu großen Hoffnungen und ein gesundes Selbstbewusstsein, um…

  • Von Friuli aufs europäische Parkett

    Da auch im Nordteil der Region Primorska, dem mittelgebirgigen Goriška, Friuli noch häufiger als Slowenisch oder Italienisch gesprochen wird, liegt es nahe, zu vermuten, dass es sich ebenso kulturell um eine seit langem zusammenhängende Region handelt. Die Teilung durch eine Staatsgrenze hat sicher zu einer teilweisen Verselbstständigung des Ostens vom Westen geführt, und doch scheint unter verschiedenem Namen…

  • Anverwandlung

    Bei allem Allzumenschlichen, Unduldsamen und Widersprüchlichen, das der Person Martin Luthers anhaftet, bleibt doch eine Erkenntnis des Wittenberger Reformators unumstößlich: Der Glaube bedarf der Neuformulierung im Sinne einer Anverwandlung, um für den Menschen greifbar zu bleiben. Mit der Übertragung des Alten und des Neuen Testaments ins Gegenwartsdeutsch seiner Zeit leistete der gelehrte Mönch einen bis heute…

  • Halloween beim Wort genommen?

    Es dürfte endgültig geklärt sein, dass der keltisch-irische Name der letzten Oktobernacht morgen nicht von der freundlichen Anrede Hello Ween! abgeleitet wird, sondern einfach All Hallows‘ Eve, also den Abend vor Allerheiligen bezeichnet. Und auch die hartnäckig vertretene These des heidnischen Ursprungs ist aus Sicht der Wissenschaft vom Tisch – nicht allerdings der scheinbare Freibrief für jene, die…

  • Zündende Ideen

    Aktuelle Werke von Sarah Nemtsov und Marko Nikodijevic waren in den vergangenen zwei Jahren häufiger am Theater Erfurt zu hören, ebenso Vito Žurajs Kompositionen. Der Slowene aus Maribor mit Jahrgang 1979 legte eine steile Karriere sowohl in der Hauptstadt seines Heimatlandes als auch nach Studienjahren an zwei renommierten deutschen Hochschulen hin. Seit 2015 hält er eine Professur für…