Kategorie: Reviews

  • Tücken der Mensuralnotation

    Um 1240 herum begann sich in der Aufzeichnung von Musik ein System herauszubilden, nach dem die unterschiedlichen Notenwerte von deren individueller graphischer Form gesteuert wurden. Nicht überall verwendeten Komponisten, Chorpraktiker und Kantoren dieselbe Schreibweise: Zum Beispiel entwickelte sich im italienischen Trecento ein separates System mit acht unterschiedlichen Teilungen der „einzeitig“ gemessenen Brevis, die man mit dem heutigen…

  • Vier auf einen Streich

    Die öffentliche, nicht immer informierte Meinung attestiert der Musik von Streichquartett-Ensembles und ähnlichen Kleingruppierungen im allgemeinen, dass diese eine wahrhaft bierernste Sache betreiben. Aber den einen macht Bier nur müde, eine(n) andere(n) inspiriert es möglicherweise und legt ihn zu Scherzen, Streichen – oder Scherzi? – auf. Und in der Tat sprudelt der Spielfluss so manchen Quartetts dann, wenn…

  • „Göttliche Eingebung“ oder Endmarke symphonischer Möglichkeiten?

    Mit Ludwig van Beethovens 9. Symphonie, stellte Robert Schumann in seiner Besprechung von Berlioz‘ Symphonie fantastique fest, seien „Maß und Ziel“ der Gattung „erschöpft“. Die vorläufige Kapitulation machte scheinbar nur noch exzentrische Gegenentwürfe möglich oder epigonale Imitation des Vorhandenen. Solche Annahmen wurden verstärkt durch die Tendenz zur Vereinnahmung durch den sich entpuppenden Gesamtstaat Deutschland, wo man mit…

  • Skifahren

    Angesichts des Klimawandels könnte der Skisport bald zur exklusiven Nebenbeschäftigung marginalisiert werden, die Zahl der InDoor-Pisten ansteigen. Hinzu kommt der ökologische Rechtfertigungszwang angesichts eines umgreifenden, nicht nur pflanzlichen Artensterbens infolge extensiver Befahrung der Gebiete und der damit verbundenen Erosion. Auf den Wintersportklassiker können und wollen aber viele nicht verzichten, die Umstellung auf Alternativen ist für manche(n)…

  • Triumphale Botschaft zum neuen Jahr

    Keiner konnte es ahnen, dass zwanzig Jahre nach diesem Ereignis die Stadt von einem schweren Erdbeben komplett verwüstet werden sollte: Für eine Aufführung in der Italienischen Kirche Lissabons hatte der Cembalist António Teixeira ein mit 20 (!) Partiturstimmen monströs angelegtes Te Deum vorgesehen. Dabei handelte es sich gerade in Portugal freilich um keine Seltenheit, denn die im…

  • Mephisto hinters Licht geführt

    Mit Schwung, Gleichmaß und dem tschechischen Melos angemessenen Temperament dirigierte am Vorabend zum vierten Advent die schon in Luzern und Katowice erfolgreiche griechische Dirigentin Zoi Tsokanou durch einen langen Opernabend: Bedřich Smetanas „Nationaloper“ Die verkaufte Braut, uraufgeführt 1866 in Prag, brach sich damit nun am Theater Erfurt Bahn; Interesse und Neugier waren im Vorhinein groß, was sich…

  • O Sorriso do Gato

    Als legendär kann sicher der gemeinsame Auftritt des Gitarristenkomponisten Paulo Bellinati mit dem Klarinettisten Harvey Wainapel für ihr gemeinsames Album bei Acoustic Music im Jahr 2004 bezeichnet werden – einmal, da die deutlich folkloristisch verwurzelten Werke des ersteren mittlerweile so populär sind, dass er sie nicht mehr selbst spielen muss, um sie zu hören, zweitens, weil eine Duettformation…

  • Nikolaus-Variationen

    Obwohl Verwechslungsgefahr zwischen dem Santa Claus als amerikanischer Weihnachtsmannfigur für den ganzen Dezemberzauber und dem heimischen Nikolaus besteht: Wir weisen hier noch einmal auf William Henry Frys kuriose symphonische Schöpfung zum Helden der Kinderzimmer und luftiger vorweihnachtlicher Imagination hin. Das 1853 erschienene Werk protzt einerseits mit volltönigem Orchester und verarbeitet alles, was textlich in ein…

  • Sofia wird erhört

    Erst mit dem Neujahrstusch 2007 trat Bulgarien mit seinem Nachbarstaat Rumänien der Europäischen Union bei. Dass aus diesem kleinen Rausch kein Kater wurde, ist natürlich neben strenger Einhaltung der Kriterien der interdependenten Unterstützung von derzeit 27 Staaten zu verdanken. Dass beide Länder kulturell über Besonderheiten verfügen, die sie zum einen mit der Zeit des Osmanischen…

  • Adveniat – fast vergessen?

    Gerade in einigen Gebieten der Vereinigten Staaten müsste der Adventszeit wörtlich genommen eine überragende Bedeutung zukommen. Hatte einst doch der baptistische Prediger William Miller in Massachusetts aufgrund eines Meteoritenschauers, den er mit der Ankündigung beim Evangelisten Matthäus (24. Kapitel) in Verbindung brachte, den Zeitpunkt der Wiederkehr Christi auf das Jahr 1843, dann jeweils auf den Oktober der beiden Folgejahre datiert. Die…