Kategorie: Alben- & Singlereviews
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Im Wechselbad des 20. Jahrhunderts
An der Grenze der Ukraine zur Republik Moldau, inmitten der vom Fluss Dnister geprägten Großlandschaft Podolien liegt die Stadt Mohyliw-Podilskyj, die unter anderem den russischen Physiker Jewgeni Sawoiski, in deren Getto unter tausend anderen Gefangenen auch der jüdisch-deutsche Schriftsteller Edgard Hilsenrath überlebte; seine Erlebnisse dort verarbeitete dieser in seinem zunächst in den USA erschienenen Roman Night.…
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Erfolgreicher Prototyp
Ein Traum von Thanasis Polykandriotis war es, für Bouzouki und Symphonieorchester zu schreiben. Der lange gehegte Plan wurde Realität, als er 1996 sein erstes Konzert dieser Art im Herod Atticus Odeon von Athen dem Publikum vorstellen durfte. Das „Experiment“ glückte, die Verschmelzung der westeuropäischen, akademisch basierten Tradition mit den Klängen eines folkloristischen Instruments war gelungen, während es…
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Von der weiblichen Hälfte eines raren Duos
Auch wenn man in Fragen der Besetzung bei Kammermusik in der Vorklassik ebenso wie um 1700 gerne unkompliziert war und je nach MusikerInnenpräsenz das eine oder andere Instrument statt des vom Komponisten intendierten verwendete, so musste das Duo Francesca und Ludwig August Lebrun doch ein seltenes konzertantes (Hör-)Bild abgegeben haben.
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Verspieltes Klavier und zaubernde Geige
So romantisch, expressiv und gleichzeitig verspielt dürften heutige Hörer dänische Klaviermusik aus der Zeit der Wiener Klassik und über diese hinaus kaum jemals wahrgenommen haben: Mit Friedrich Kuhlau (1786 – 1832) spricht hier kein Komponist zweiter Garde im Schatten Beethovens zu uns, auch wenn er diesen im Norden eigentlich bekannt gemacht hat.
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Vorhang auf für L’Arpeggiata
In biographischen Nachschlagewerken taucht der Name der in Sachen Alte Musik progressiven Musikerin und Ensembleleiterin kaum auf: Christina Pluhar, die Grazer Expertin für Kammermusik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts – auch gerne in größerer Formation – bestimmte maßgeblich die Entwicklung der historischen Aufführungspraxis seit Ende des letzten Jahrhunderts.
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La Varsovienne
Im Zuge der nachnapoleonischen Besinnung auf einheimisches Kulturgut in beinahe allen Ländern Europas entwickelte sich auf den Warschauer Tanzböden um 1850 auch die Pflege einer lokalen Mazurka-Variante: Die im langsamen Dreivierteltakt gespielte und getanzte Varsovienne bediente sich aus verschiedenen Richtungen, nahm insbesondere die Durchgänge des Walzers und Eigenschaften der Polka auf (auch wenn letztere ja geradtaktig angelegt ist).
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John Antes, ein Epigone „Vater Haydns“?
Er gab sich sozusagen mit dem berühmten „Vater der Klassik“ in künstlerischer Hinsicht die Türklinke in die Hand: Der in Montgomery County im Bundesstaat Pennsylvania 1740 geborene Sänger, Instrumentenmacher und Komponist John Antes pflegte einen Stil, der demjenigen vor- und frühklassischen Haydns sehr ähnelte. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sich ihre Wege jemals gekreuzt hätten.