Kategorie: News

  • An einem Ostermorgen

    Johann Peter Emilius Hartmanns Beitrag zum Karfreitag folgt einem getragenen Moderato-Maß, steht allerdings nicht in Moll, sondern seltsamerweise in der sonst eher versöhnlichen Tonart F-Dur. Das daran anschließende erst besinnliche, danach aber auffahrende Allegretto der nur zweisätzigen Orgelsonate op. 47 widmet sich dann dem Anlass des Ostermorgens. Einer der großen Experten französischer Orgelmusik, Hans Fagius, spielte das ungewöhnliche kleine Meisterstück für das Label Dacapo…

  • De manera mexicana

    Seit sich Carlos Chávez (1899 – 1978) mit seinem Werk, etwa den Cantos de México oder Xochipilli Macuilxóchitl – einer Widmung an den alten Musikgott – für die Vergegenwärtigung aztekischer Musik einsetzte, fällt trotz etlicher kultureller Schnitte sein langer Schatten immer noch voraus bis in die nahe Zukunft. Denn sein zweiter Coup bestand darin, die aktive Besinnung…

  • Wurde der Zink zum Horn?

    Die schwierige Intonation des Zink, der seiner Gestalt nach einem Signalhorn nicht ganz unähnlich sieht, sorgte wohl dafür, dass er aus Orchestern und kleineren Formationen nach der Barockzeit weitgehend verbannt blieb. Den im 16. wie 17. Jahrhundert hochbeliebten Tenorzink oder Corno torto löste tatsächlich nach 1700 das Waldhorn ab. Dabei hatte der Zink in der Blütezeit seiner Verwendung, unter anderem…

  • Shakespeare grüßt nur aus naher Ferne

    Nach diesem Namen wird man in den meisten populären Opernführern umsonst suchen: Über Italien hinaus ist von dem 1883 im oberitalienischen Rovereto geborenen und späteren Mascagni-Schüler Riccardo Zandonai nur in Fußnoten zu lesen. Möglicherweise liegt dies an seiner Zwischenstellung – nach Puccini und noch ohne Bezug auf „neue Schulen“ wie diejenige Arnold Schönbergs -, was eine langanhaltende…

  • Jánczaks hohe Chorkunst

    Es muss nicht immer Warschau oder Krakau sein, wenn es im Nachbarland Polen um den Erwerb exzellenter Voraussetzungen für eine Musikkarriere geht: Piotr Jánczak ist derzeit Dozent an der Akademie von Bydgoszcz, wo er selbst bei Janusz Stanecki Dirigieren und Musikpädagogik studiert und sich in der Chorleitung professionalisiert hatte. Diese Ausbildung brachte es mit sich, dass er heute…

  • Kubanisches Aire nocturno

    Bedeutende spanischsprachige Dichterinnen und Dichter verdanken ihr Vertonungen ihrer Gedichte: allen voran José Martí, Pablo Neruda, Dora Alonso und César Vallejo. Zu den bedeutenden Liedern, die Beatriz del Carmen Corona schrieb, gehören Deseo und Aire nocturno, die beide 1990 entstanden, sowie El nuevo día von 1999. 

  • Einläuten des Frühjahrs

    Eine traditionsreiche Institution nahe der Förde ist – auch wenn es um klassische Konzertprogramme geht – das Deutsche Haus. Am 26. April um 19.30 Uhr öffnen die Türen des Konzertsaals dort für Orffs Carmina burana. Die durch mittelalterliche Originalversatzstücke angereicherte chordominierte Komposition hat, worauf das Schleswig-Holsteinische Landestheater zu Recht hinweist, seit längerem den Kultstatus eines Popevents…

  • Salonmusik – Basis für mehr Gehör?

    Ambroise Thomas hielt Cécile Louise Chaminade (1857 – 1944) nicht für eine komponierende Frau, vielmehr sei sie „ein Komponist, der eine Frau ist“, was in den ersten Dezennien des 20. Jahrhunderts noch ebenso viel Verwunderung wie Bewunderung erkennen ließ, zumal sie in den Ohren der Zeitgenossen mit derselben Wucht wie die männlichen Kollegen Klavier spielte. Tatsächlich…

  • Ein Jazztemperament

    Beim Internationalen Klarinettenfestival in Assisi im Jahr 2013 fiel Alice Humphries anlässlich der Prämierung ihres Stücks Wildflowering für Klarinettenquartett, einem Auftragswerk einer westaustralischen Formation dieser Besetzung, auf und noch im selben Jahr wurde die aus Perth stammende Cross-over-Komponistin für The World rushes on mit dem Preis für das Werk des Jahres in der Kategorie Jazz durch die Institution…

  • Das Museum – zum Leben erweckt

    Museales wird lebendig: Dabei denken wir hier nicht an die fortgesetzte Faszination eines US-Kinoschlagers, dessen numinose Seite sich nicht zuletzt dem unheimlichen Helm in Walpoles The Castle of Otranto, Eichendorffs dämonischem Marmorbild oder dem mit bedrohlicher Stimme singenden Standbild des Komturs in Mozarts Don Giovanni verdankt. Vielmehr meinen wir, wie starre Artefakte, seien es Bilder oder Skulpturen,…