Kategorie: News

  • Genius der Instrumentation

    Aufs erste Hören scheint es, als wären sowohl sämtliche Moden als auch historische Einschnitte an ihm vorbeigegangen. Dennoch war es nun höchste Zeit, an diesen heimlichen nordischen Meister der Instrumentation Svend Erik Tarp zu erinnern. In größerem Umfang unternimmt dies derzeit der schwedische Geiger, Dirigent und Blomstedt-Preisträger Tobias Ringborg, der in Stockholm als Mitglied der Königlichen Musikakademie firmiert. Ihm gelingt…

  • Röhrend oder betörend – je nach Stimm(ungs-)lage

    Mal beinahe mit menschlicher Stimme singend oder wie ein Türscharnier, mal wie eine krächzende Krähe, wie ein Hirsch in der Brunft oder ein hustender Hund: Je nach Stimmlage kann dieses eher metallisch und nasal klingende Instrument ähnliche Töne und Geräusche hervorbringen, nicht selten zum Amusement der Zuhörer eines Solisten. Allerdings sind die Solowerke für Altsaxophon mit Orchester…

  • Tallinns (verspätete) Romantik und Moderne

    Abgesehen von Rudolf Tobias, dem ersten namhaften estnischen Komponisten nach der staatlichen „Wiedergeburt“ des Landes, fungierten seine Kollegen, deren Wege sich irgendwann und auch öfter in der Hauptstadt kreuzten, zeitweise oder für viele Jahre in Tallinn. Die nationalen Bewegungen in Estland, Lettland und Litauen setzten mit dem Sängerfest 1869 hier im ehemaligen Reval ein, das somit…

  • Andersartige Klänge mit neuen Instrumenten

    Eine Entscheidung mit Tragweite: Lucia Długoszewski, Tochter polnischer Immigranten aus Detroit, hatte ebenso wie zu Lyrik und Musik einen großen Hang, als Ärztin tätig zu sein und beschloss nach dem Klavierstudium am Konservatorium ihrer Heimatstadt nach New York City umzuziehen. Die Musik, zu der sie schon als Heranwachsende mit Liedern beigetragen hatte, ließ sie aber auch dort nicht los und so…

  • Ahoi für ozeanische Symphonieorchester

    Im Hamburger Hafen wird nicht nur durchgeschippert, es liegen auch Dauergäste mit Kulturprogramm vor Anker – wie etwa die unter portugiesischer Flagge einst konfiszierte Rickmer Rickmers, die zum Segelschulschiff deklariert wurde. Bedauerlich für Konzertgänger nur, dass hier allzu selten Konzerte stattfinden, da das Schiff vornehmlich museal zum Zweck von Ausstellungen, allerdings mit vielfältigen und wechselnden Programmen, genutzt wird.

  • Who the heaven is … ?

    Bratislava um 1770: Der schlesische Komponist Anton Zimmermann, dem ein nur knapp vierzigjähriges Leben beschieden war, tritt in Erscheinung und bestimmt maßgeblich den kulturellen Aufschwung der slowakischen Randmetropole „im Schatten Wiens“ (und der frühen Wiener Klassik) mit; seine sinfonische Musik steht im Zeichen eines musikalischen „Sturm und Drang“, dessen forsche Gangart schon Carl Philipp Emanuel…

  • Rhythmische Noblesse

    Malazarte hieß seine einzige Oper, daneben schrieb er für das Musiktheater die Ballette Imbapara und Amaya. Sein Werk ist vergleichsweise von mittlerem Umfang, die Themen waren aber sehr ausgesucht und zeugen von einer gewissen, aus europäischer Perspektive indigen-exotischen Vornehmheit. Lorenzo Fernândez (1897 – 1948) blieb als Komponist der Moderne doch ganz der Rhythmik und Bildhaftigkeit…

  • Stimmentausch und Zirkelkanon

    Der Stimmentausch in einem polyphonen Satz kann als Ergebnis einer Stimmenkreuzung gesehen werden, doch handelt es sich in der Regel um das absichtsvolle Vertauschen von zwei Stimmen in verschiedenen Lagen – wenn also beispielsweise die im „Sopran“ vorgegebene Melodielinie in die Lage des „Tenors“ rückt und umgekehrt. Häufig wird  damit eine Variierung des vorgegebenen Materials angestrebt, etwa wenn…

  • Dvořáks Programme

    Symphonische Dichtungen auf der Basis tschechischer Sagen, einige Stücke Kammermusik und die Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“: Dort, wo es um vorwiegend außermusikalische Programme oder aus folkloristischer Gebrauchsmusik Entstandenes wie die Slawischen Tänze und seine Böhmische Suite ging, wurde Antonín Dvořák konkret und vertiefte sich, auch um lyrische Stimmungen zu erzeugen, ins Detail.

  • Mon bel ami – je voy trop bien …

    Um es gleich vorweg zu sagen: Originale Melodien aus der Feder der franko-italienischen Schriftstellerin Christine de Pizan liegen bei einer neueren Aufnahme des Ensembles VocaMe nicht vor, doch sind andererseits viele der Chansons und Liebeslieder dieser bedeutenden Dichterin des späten Mittelalters ohne Gesang und Begleitung, gerade, wenn man die vielfältigen Aufführungsmöglichkeiten der Zeit in Betracht zieht,…