Kategorie: News
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La Varsovienne
Im Zuge der nachnapoleonischen Besinnung auf einheimisches Kulturgut in beinahe allen Ländern Europas entwickelte sich auf den Warschauer Tanzböden um 1850 auch die Pflege einer lokalen Mazurka-Variante: Die im langsamen Dreivierteltakt gespielte und getanzte Varsovienne bediente sich aus verschiedenen Richtungen, nahm insbesondere die Durchgänge des Walzers und Eigenschaften der Polka auf (auch wenn letztere ja geradtaktig angelegt ist).
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Klassik im Estilo Antigo: aus Minas Gerais
Selbst Sohn eines Musikers reihte sich João de Deus de Castro Lobo als Organist bald nach den Umbruchsjahren der Napoleonischen Kriege in die Riege der zahlreichen Organisten ein, die zahlreiche Aufgaben an ihrer jeweiligen Kirche versahen. Castro Lobo, der aus einer der wenigen Wiegen brasilianischer Kunstmusik, nämlich Vila Rica kam, fand er zwischen 1820 und 1824 eine Stellung…
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Vorschau auf neue Noten
Von einem der prominentesten Komponisten des frühromantischen Belcanto, Gaetano Donizetti, liegen auch etliche Partituren rein instrumentaler und mehrfach auch orchestraler Musik vor, die freilich von seinem Opernschaffen, man denke nur an Lucia di Lammermoor (1835) völlig überschattet werden.
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John Antes, ein Epigone „Vater Haydns“?
Er gab sich sozusagen mit dem berühmten „Vater der Klassik“ in künstlerischer Hinsicht die Türklinke in die Hand: Der in Montgomery County im Bundesstaat Pennsylvania 1740 geborene Sänger, Instrumentenmacher und Komponist John Antes pflegte einen Stil, der demjenigen vor- und frühklassischen Haydns sehr ähnelte. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sich ihre Wege jemals gekreuzt hätten.
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Weite Wege: Von der Geringschätzung zur Anerkennung
Es mag zwar sein, dass in etlichen Wissenschaften der Gender-Diskurs an seine Grenzen gekommen ist, doch darf man im Hinblick auf die Erarbeitung einer „weiblichen“ Musikgeschichte feststellen, dass der Aufholprozess noch lange nicht an sein Ende gekommen ist. Fortlaufend ist mit neuen, auch kritischen Ausgaben der von der solistischen Psalmodie bis zur Sinfonie mit großem Orchester reichenden…
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Kampf als Tanz
Bei der Capoeira handelt es sich vorderhand nicht um eine musikalische Form, sondern um eine uralte afrikanische Kampfkunst, für die genaue Bewegungsabläufe vorgegeben werden, welche ebenso nach normativen wie praktischen Regeln ablaufen; ähnlich wie beim Judo sind sie so erdacht, dass physische Verletzungen vermieden werden.
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In wolkiger Form
Luftig und wolkig wirkt dem Korpusaussehen nach ein altes Cister-Instrument, dessen Bedeutung als Zupfinstrument sich ausschließlich auf die Zeit der Renaissancepolyphonie und des Früh- und Hochbarock zentriert. Aus diesem Grund dürfte das Orpheoreon oder Orpharion heute nur noch eine Angelegenheit von Experten für Kastenhalslauten sein. Einer von wenigen dieser Zunft ist aktuell Dieter Schossig, der…
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Wiedergeborenes Arkadien
In der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts erst wurde die stilistisch zwischen Empfindsamkeit und Vorklassik anzusiedelnde Instrumentalmusik einer für die Entwicklung in Italien bedeutenden Cembalistin und Komponistin wiederentdeckt; seither sind auch ihre Opern auf dem Weg zu den Bühnen. Zwei von ihnen, nämlich Ulisse in Campania, gekennzeichnet als „serenata in due atti“ und das „componimento drammatico“…
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Schubfächer und Etiketten
Klassifizierte Michael Praetorius im dritten Band seines Syntagma (1619) Musik zunächst nach ihren Klangkörpern, menschlichen Stimmen oder Instrumenten, dann nach „Affektsphären“, also ihrem räumlich bedingten Ausdruck, nach ihrer sozialen Praxis und schließlich nach der Textbasis, so wandelte sich im 18. Jahrhundert die Grundlage der Differenzierungen hin zur Unterscheidung zwischen den Benennungen von Werk(grupp)en und den Stilen oder…