Goldbergs Polyphonie

Gemeint ist hier nicht J.S. Bachs fleißiger Schüler Johann Gottlieb Goldberg, sondern eine mindestens zehnköpfige Blechbläserformation, die rund um München agiert und sich dadurch auszeichnet, dass sie bekannte „Perlen“ der Popszene dekonstruiert und neu kombiniert: Das führt so weit, dass für manchen unbedarfteren Hörer anderer Musikrichtungen das jeweilige Stück vollkommen neu klingt und die Versatzstücke selbst für Kenner nicht immer leicht zu durchschauen sind. Der Name der famosen Goldberg Brass Band leitet sich übrigens von einem kleinen Stadtviertel in der Domstadt Freising ab.

Nicht nur der gesamte Auftritt der Goldberg Band gestern im Gleis1, sondern auch die Zugabe, bei der alle Besucher mitwirken konnten, entlockte großen Applaus. (H.-P. Mederer, 7.11.2025)

Am gestrigen Freitagabend konnten die Stammgäste und neue Besucher die Band endlich wieder live im Gleis1, dem Jugendkulturzentrum Lohhof live erleben, Sonst sind die Musikerinnen und Musiker nach Bekunden ihres Leiters und Moderators auf mehreren Social-Media-Kanälen und YouTube präsent, Nachhören ist also jederzeit und an jedem Ort möglich. Seit zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren tummeln sich im „Speckgürtel“ Münchens mehrere Blechbläser-Bands mit großem Erfolg, sie sind dem Publikum aber überwiegend durch ihre Konzerte vertraut; man erinnert sich an legendäre Auftritte von Ska-Punk-Formationen im Theatron des Münchner Olympiaparks vor einiger Zeit …

Posaune im Einsatz (PiRGoif, 4.2.2012, CC-Liz.)

Insbesondere die teils zur Soulstimme tendierende Frontsängerin brillierte neben den lautstarken Trompeten, Posaunen und der Tuba im Hintergrund, obwohl es nicht einfach gewesen sein dürfte, mit deren Dynamik mitzuhalten. Sie gab auch zwei sehr eingängige Juwelen der Popmusik zum Besten, wobei aber das Arrangement etliche Verfremdungen und Varianten bereit hielt, die dem kunstvollen Vorgriff des Goldberg Bandleaders und aller anderen Musiker zu verdanken sind.

Genau genommen handelte es sich nicht alleine um gekonnte Jazz-Improvisation, was dort zu hören war, sondern um reine, teils kontrapunktische Polyphonie mit jeweils individuellen Akzenten und Soloeskapaden einzelner Instrumentisten. Hier sind vor allem die Kadenzen des Tenorsaxophons und der Posaune am linken Bühnenrand hervorzuheben. Im Falle der letzteren kamen auch verschiedene Anblastechniken zum Einsatz. Auf die nächsten Auftritte des famosen klangstarken Ensembles darf das Publikum gespannt sein. Am 27. und 28. Dezember 2025 wird Goldberg im Lindenkeller zu Freising auftreten, der erste Abend ist allerdings bereits ausverkauft.


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