In diesem Monat haben Cembalostimmer zumindest in der nördlichen Hemisphäre wieder alle Hände voll zu tun: Die Instrumente bekommen unausweichlich einen schlimmen Katarrh, wenn sie nicht ständig „nachtemperiert“ werden, da die Raumtemperatur zwischen Nacht und Tag deutlich schwankt. Aber einen Glaskasten für das Cembalo mit eingebauter Heizung wird sich auch niemand ins Studier- bzw. Konzertzimmer stellen wollen. Da das elektronische Analogon trotz aller Raffinessen inklusive unwahrhaftiger Anschlagsdynamik weiterhin dem historischen Vorbild hinsichtlich Klangauthentizität und -qualität hinterherhinkt, bleibt es beim traditionellen mehr oder weniger händischen Nachjustieren, damit die Intervalle sauber klingen.

Den vor allem aus England in die Vereinigten Staaten importierten oder nachgebauten Kielflügel widmet eine namhafte Online-Enzyklopädie nur eine Randnotiz, nach der nur zwei Instrumente späterer Bauart, also wohl vom Ende des 18. Jahrhunderts bekannt seien, eines davon in englischer Manier gebaut. Bleibt das andere: Hat sich da möglicherweise doch eine eigene Schule des Cembalobaus herausgebildet? Kannten etwa der Charlestoner Charles Theodor Pachelbel, geboren 1690 und der aus Philadelphia stammende Francis Hopkinson, Jahrgang 1737, Meisterwerkstätten für das Instrument? Es liegt auf der Hand, dass spätestens nach 1730 Cembali im gottesdienstlichen Zusammenhang oder als Harmonie- und Rhythmusgeber beim häuslichen Gesang oder Geigenspiel zum Einsatz kamen.

Momentan lässt sich die ältere Geschichte des Cembalobaus in den USA leider nicht gut nachvollziehen, obwohl Quellen sicher vorhanden sind. Als Pionier schlechthin wird häufig Wolfgang Joachim Zuckermann, genannt, der wegen seiner jüdischen Wurzeln 1938 vor den Nationalsozialisten aus Berlin floh, sich zunächst als Kinderpsychologe ausbilden ließ und dann die erste bekannte Werkstatt eröffnete. Hier entwickelte er das originäre Selbstbau-Paket mit dem Patentnamen „Model T Harpsichord“.

Infolge des gewachsenen Bedarfs nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Alte-Musik-Bewegung konnte er seine Bausätze mit großem Erfolg auf dem internationalen Markt verkaufen. Das lag aber auch daran, dass es sich um einen bestimmten Typus des frühen Kielflügels handelte. Der vielinteressierte Instrumentenbauer machte sich später außerdem als Umweltaktivist einen Namen, schrieb Kinderbücher und zwei Handbücher über Cembali.

In den USA war in Sachen Cembalo und Stimmung einst auch der Musiklehrer Burkhard Zander unterwegs, der heute in Köln ein Atelier für den Cembalo- und Clavichordbau betreibt. Neben dem Kailfornier Andrew Lagerquist leitet der in Oregon wirkende Owen Daly eine Meisterwerkstatt für diverse historische Tasteninstrumente, wozu auch Clavichorde gehören. 2013 konstruierte er ein Cembalo nach spanisch-französischem Vorbild aus dem späten 17. Jahrhundert, griff aber noch weiter zurück mit dem Nachbau eines etwa 1550 entstandenen neapolitanischen Instruments. Christopher Brodersen, ansässig in Michigan, bastelt Instrumente des französischen zweimanualigen wie des flämischen Typus.
Schreibe einen Kommentar