Während es in Bayern im September noch relativ spärlich aussieht, wenn es um Aufführungen der Werke von Komponistinnen geht, wird es im Oktober bereits dynamischer; das hat natürlich mit dem verspäteten Start der Programme nach den Sommerferien zu tun. Am 12. Oktober 2026 um 19:30 Uhr erklingt die Sinfonie C-Dur der zur Empfindsamkeit oder Vorklassik zu rechnenden Wienerin Marianna Martines, zu Gehör gebracht von den Münchner Symphonikern unter Joseph Bastian im Prinzregententheater. Es sei daran erinnert, dass die rührige und selbstbewusste Tonkünstlerin zwölf ausladende Cembalokonzerte geschrieben hat, von denen leider nur vier erhalten sind.

Am Samstagabend, den 17. Oktober um 19.30 Uhr wird in der Stadthalle Aschaffenburgs Partita (op. 20) für Klavier und Streichorchester von der Brünner Dirigentin Vítězslava Kaprálová gegeben, eine wahnwitzig originelle Hommage an die Wienerin die viel zu früh, mit 25 Jahren bereits am Typhusfieber verstarb. Energischer Zugriff, Witz und rhythmische Differenzierung zeichnen die neoklassizistische Komposition aus. Das Stück, demonstriert durch Anima Eterna Brugge ist atmosphärisch ganz den Pariser Szenen in den späten 1930er Jahren verpflichtet und kann es mit Strawinskys Werken in dieser Zeit an Einfallskraft und harmonischer Gestaltung „auf Augenhöhe“ aufnehmen.

(1915 – 1940; Foto: 1935, CZ p.d.)
Mehrstimmige barocke Kammermusik mit einem Vokalensemble erwartet die Zuhörer in der Münchner Kirche St. Stephan, in Nähe zum Sendlinger Tor und zur Isarvorstadt gehörend. Der Abend am 25. Oktober ab 17 Uhr widmet sich den Geistlichen Konzerten und Motetten von Isabella Leonarda. Es spielt das Barockensemble e.leutheria, bei dem zu den Vokalsolisten der verschiedenen Stimmlagen sich noch Barockvioline und Violone gesellen. Die Leitung hat der vielfach in den Münchner Musikszenen engagierte Bariton und Organist Johannes Lamprecht. Die Beherrschung des Kontrapunkts geht in Leonardas Kunst einher mit tiefem emotionalem Ausdrucksvermögen.

Im Josef-Keilberth-Saal der Konzerthalle Bamberg wird für den 29. Oktober um 20 Uhr die Aufführung des Mittsommerlied(s) von Raminta Šerkšnytė erwartet, daneben gibt es Clara Schumanns Klavierkonzert a-Moll. Für das Konzert steht Mirga Gražinytė-Tyla am Pult; zum zweiten Teil wird einmal Clara Schumanns Klavierkonzert a-Moll zu hören sein, zu dem ihre jüngere Schwester Onutė Gražinytė den Klavierpart übernimmt; beide Schwestern stammen aus einer hochmusikalischen litauischen Familie mit dem Vater als Chordirigenten und der Mutter als Pianistin.

Angesichts der Tatsache, dass es seit etwa eineinhalb Jahren zahlreiche Neueditionen der Noten und Partituren klassischer Komponistinnen gegeben hat, kochen die Aufführungen der Werke im Südosten Deutschlands eher auf kleiner Flamme, was sich hoffentlich demnächst verbessern wird, nachdem in der Landeshauptstadt 2025 zahlreiche Initiativen einzelner Musikerinnen und Ensembles stattgefunden haben und auf neugieriges Publikum gestoßen sind, denn es gibt Vieles bisher fast Unbekannte (neu) zu entdecken.
