Unter Pseudonym

Der englische Gambenvirtuose William Brade, dem sein Ruf vorausgeeilt war, unterrichtete sie am Hof zu Güstrow in Mecklenburg; bei ihm erlernte Sophie Elisabeth von Mecklenburg auch das Kompositionshandwerk gründlich. Es war ein besonderes Merkmal ihres kunstliebenden Vaters Herzog Johann Albrecht, dass er mit Vorliebe herausragende englische Solisten in der Hofkapelle zu Güstrow beschäftigte. Im Dreißigjährigen Krieg fielen die Schweden im Nordosten des deutschsprachigen Raums ein, was die Musikerin zur Flucht nach Kassel veranlasste.

Herzogin und Komponistin Elisabeth Sophie von Mecklenburg (Philip Kilian zwischen 1650 und 1680, D p.d.)

1635 vermählte sich die junge Herzogin mit dem deutlich älteren Herzog August von Braunschweig-Lüneburg, dem Begründer der Bibliothek zu Wolfenbüttel. Eher ungewöhnlich mag es heute anmuten, dass ihr als Frau, wenn auch von adliger Herkunft, die Organisation der Hofkapelle übertragen wurde, doch hing dies in der frühen Neuzeit mit individueller Hochschätzung innerhalb des engeren Familienkreises im Hochadel ab. In der Regel waren es zur Barockzeit, wenigstens in Italien und Frankreich – anders als in diesem Fall – adlige Frauen, die Musikerinnen und Komponistinnen förderten. Sophie Elisabeth hatte als Lehrer und Berater einen der berühmtesten Tonsetzer der Zeit an ihrer Seite, nämlich Heinrich Schütz, der im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg 1655 zum Kapellmeister avancierte. Was ihre Kompositionen betrifft, verbarg sich die angesehene Musikerin allerdings, den Konventionen der Zeit gemäß, hinter einem männlichen Pseudonym, nämlich J. G. Schottelius.

Eine groß angelegte Festmusik: Zum Anlass der Friedensschlüsse zum Ende des 30jährigen Kriegs hin, komponiert von Sophie Elisabeth, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg (Titelblatt, HAB Wolfenbüttel 1648).

Herzogin Sophie Elisabeth schrieb überwiegend geistliche Lieder, aber auch Sinfonien in Triobesetzung für zwei Violinen und Basso continuo, außerdem Festspielmusiken zu besonderen Anlässen am Hof. Bei diesen konnte es sich um Geburtstage des Herrschenden handeln und spezielle Huldigungen wie die Glückwünschende Freudendarstellung dem Herrn Augusten Hertzogen von Brunschwig und Lüneburg, eine umfangreich besetzte Vokal- und Orchesterkomposition für vier Solostimmen, Chor, Streicher und Basso continuo, die übrigens 1980 in Frankfurt zusammen mit anderen Werken von Sophie Elisabeth neu herausgegeben wurde. Gerade wegen solcher auch öffentlich bekannt gewordener Aufführungen genoss sie als Komponistin einen weitreichenden Ruf. Aufgrund der erhaltenen Schriften von Friedrich Chrysander und der Dokumentensammlung in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel lebt ihr Werk heute weiter und wird in Zukunft auch durch Aufnahmen über CD und Internet verbreitet werden.

Neuerfundenes Freudenspiel genandt FriedensSieg (Pseudonym: J. G. Schottelius) für Solostimmen, Chor, Instrumente. Wolfenbüttel 1648.

Literatur u.a.:
Antje Olivier, Sevgi Braun: Sophie Elisabeth, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg (1613 – 1676). In: Komponistinnen aus 800 Jahren. Köln 1996. S. 389f.