Der Bayerische Rundfunk hatte in München, und dies sicher nicht nur im Bewusstsein der recht ordentlichen Rundfunkgebühren, keinen Aufwand gescheut, um einem zu Abertausenden erschienenen Publikum zum Tag der offenen Tür am 20. Juni einiges zu bieten. Die Produktions- und Funkstätte wurde, weniger gut erreichbar für Außenstehende, vor nicht langer Zeit vom Zentrum in der Nähe der S-Bahn-Station Hackerbrücke zu dem Außenposten Freimann, ein Stück von der U-Bahn-Haltestelle Studentenstadt entfernt, zu verlegen, der mit seiner grünen Umgebung ein durchaus Kreativität anregendes Potenzial besitzt.

Es war also einigermaßen aufwändig, an den Ort im Idyll zu gelangen, doch entschädigte das umfassende Programm dafür mehr als man sich erträumen konnte. Neben Outdoor-Veranstaltungen wie eines Gesangswettbewerbs von freiwilligen Hörern auf der Bühne wurde besonders der Technik ein weiter Raum gegeben: Man konnte sich ansehen, wie die Geräte für Aufnahmen im FÜ1-Übertragungswagen funktionieren, wie eine Audiodeskription entsteht, wie Hörspiele produziert werden, wie die Studios von Bayern 3 aussehen. Kinder wurden selbstverständlich ebenso in vom Format passende Einzelveranstaltungen integriert; bei den Kleinsten fand das blaue BR-Maskottchen in menschlich lebendiger Version und Erwachsenengröße viel Anklang.

Eines der angebotenen Highlights, unter denen der aktuelle und künftige Einsatz der KI beim Bayerischen Rundfunk zu nennen ist, war jedenfalls der Einblick in das Entstehen von Klassikproduktionen bei BR4 (und BR2?) unter dem Motto „Vom Konzertsaal ins Radio„. Die Leitung dieses Workshops im Haus 18 auf dem weitläufigen Gelände oblag Moderator Christopher Mann, der mit seiner französischen Kollegin am Schnittpult neben zahlreichen, auch durch die anwesenden Besuche initiierten Informationen zum Quiz mit Papier und Kugelschreiber einlud, in dessen Anschluss es um spezielle Griffe bei der Aufnahmetechnik ging, um dem Nutzer vor allem von BR4 ein entsprechend hochwertiges Hörerlebnis zu bieten. Das Quiz bestand aus verschiedenen Aufgaben, die darauf zielten, Höreindrücke zu beschreiben und einzuordnen, unter Aspekten der Räumlichkeit, der Aufführungspraxis und der Nachbearbeitung. Zu den Hörbeispielen zählte auch der Anfang von Bachs Chromatischer Fantasie und Fuge, auf einem Klavier gespielt.

Immer wieder müssen nach Partitur falsch gespielte Noten durch die richtigen ersetzt werden, Hall ist zu ergänzen, wo der Klang eines Instruments zu trocken erscheint, Einzelstimmen müssen schärfer getrennt werden, um den Höreindruck plastischer zu gestalten. Erreicht wird dies natürlich durch die kontinuierlich verbesserte Positionierung der Mikrofone und Berücksichtigung von deren individuellen Eigenarten, dann durch künstl(er)i(s)che Nachbearbeitung am Schnittpult. Fazit der Bemühungen um ein nach den extrem unterschiedlichen Aufnahmeräumen eingerichtetes ideales Klangbild war, dass es weniger um Authentizität der jeweils einmaligen konzertanten Aufführung geht, sondern um die bestmögliche Mischung: Dies wird nicht von der Position des einzelnen Zuhörers aus realisiert, vielmehr hört der ganze Raum statt eines Individuums und diese Sound-Atmosphäre wird als Endergebnis an die Frau und den Mann gebracht.

