Prokofjews Brücke zu Mozart

Nach längerer Zeit durfte das Publikum am Gärtnerplatztheater am Dienstagabend wieder einmal „seine“ Musiker auf der Bühne erleben, die ja sonst den Orchestergraben bevölkern. Vermutlich diente der an den Anfang gesetzte Marsch Nr. 1 (KV 320a) Mozart als Einzugsmusik für das Orchester, das zum Abschied der Studenten nach ihrem Abschluss an der Universität Salzburg Anno 1779 die Posthorn-Serenade einleitete, während der 2. Marsch wohl den Auszug markieren sollte.

3. März: Der große Teil nach der Pause im Gärtnerplatztheater galt Prokofjews 5. Symphonie (H.-P. Mederer).

Das vor allem an der klasssisch-romantischen Kunstperiode orientierte Orchester des Münchner Gärtnerplatztheaters, das allerdings auch in modernem Repertoire inklusive des Musicals versiert ist, nahm sich unter seinem neuen Dirigenten Rubén Dubrovsky eher entspannt des bekannten Stücks mit der Tempobezeichnung Adagio maestoso und des anschließenden Allegro con spirito an. Die synkopierten Noten wurden nicht überdehnt und das starke Legato der ersten Violinen bürstete wohl in voller Absicht jeden Ansatz einer historisch informierten Aufführung weg. Ob es so vom Komponisten gemeint war, lässt sich wohl nicht mehr bestätigen …

Viel Publikum tummelte sich am Abend des 3. März 2026 im Pausenfoyer des Münchner Gärtnerplatztheaters (H.-P. Mederer).

Die zwar publikumswirksame, aber verhältnismäßig kurze und ebenso kurzweilige Haffner-Symphonie (1776) stammt ja aus demselben Umfeld der späten Salzburger Jahre des Komponisten und gelang mit nahezu nahtlosem Übergang. Den raschen Eingangssatz wollte Mozart selbst „feurig“ angegangen wissen und so erklang er gestern, wenn auch ein Stück moderater als von seinem Urheber gedacht. Dubrovskys Leitung gelang es die vielen melodischen Einfälle in der Symphonie deutlich herauszuarbeiten, ohne sie auf dem silbernen Tablett zu servieren. Mozart hatte sie in einer Zeit zahlreicher Arbeiten niedergeschrieben, da er wohl nicnht ganz zufrieden damit gewesen war und überarbeitete sie daher später, als er die Muße dazu hatte.

In gespannter Erwartung … (H.-P. Mederer, Gärtnerplatztheater, 3.3.2026)

Sergej Prokofjew, dem der zweite Teil des Konzertabends gewidmet war, kannte die Wiener Komponisten drei Generationen früher sehr gut und schätzte sie hoch ein. Nicht ohne Grund komponierte er seine erste Symphonie als „die klassische“ und verfolgte auch danach noch, wie Rubén Dubrovsky in seiner Voransprache betonte, die an den Sonatenhauptsatz angelehnte Struktur in seiner schon der Moderne zugehörenden Symphonie Nr. 5 (op. 100). Das in seinem zweiten Teil des vierten Satzes Allegro giocoso ausladend präsentierte Thema ist unter anderem dank des Schlagwerkeinsatzes für den späteren großen Erfolg des Werks als Ganzes verantwortlich gewesen. Es wurde im vorletzten Kriegsjahr 1944 komponiert und kommt angesichts der bedrückenden europäischen Gesamtsituation mit ungebrochenem Optimismus, wie Dubrovsky hervorhebt, daher, schließt allerdings ins Moll „verdunkelte“ Momente durchaus mit ein.

Mozartwochen am Gärtnerplatztheater 2026