Virtuose Etüden

Wer Benna Moes Instructive Studies, die untereinander diametral verschiedene Charaktere haben, etwa wie Kinder, die sich nie begegnet sind, hört, könnte meinen, Clara Schumann oder dann und wann Beethoven am Werk zu erleben. Dies betrifft nicht nur deren Virtuosität, von Cathrine Penderup in Auswahl im Übrigen federleicht umgesetzt und unter Beachtung der für alle Passagen im einzelnen stimmigen Agogik und Phrasierung, sondern auch die individuelle, programmatische Motivgebung und -verarbeitung. Beispielhaft dafür mögen Venedig und Tarantella genannt werden.

Benna Moe (1897-1983)
als Organistin (Detail, Discogs)
Benna Moe arbeitete, was weniger bekannt ist, auch als Kinoorganistin (z.B. In A Persian Market, 1950, Detailausschnitt, YouTube)

Moes Klavieretüden entstanden vor sowie zwischen 1918 und 1923 in drei Etappen, teils also noch vor ihrem 21. Lebensjahr und zeigen bereits ihre entwickelte melodische Erfindungskunst; sie wurde in Folge ebenso beliebt wegen ihres avancierten improvisatorischen Spiels am Klavier (und dies bereits, als sie noch Schülerin war) sowie an der Orgel. Um die Herausgabe kümmerte sich vor allem ihr Bruder Olaf Edvard Moe, der als Verleger und Buchhändler tätig war.

Zunächst erhielt Benna Moe Klavierunterricht in Kopenhagen am privaten Institut von Dagmar Walsøe, anschließend durch den Organisten Erasmus Thune, der an der Vorfrue Kirke wirkte, erhielt aber schließlich die Möglichkeit, an der Königlichen Musikakademie zu studieren und brillierte im Orgelexamen durch ihr freies Fantasiespiel. Ihre zudem gut ausgebildete Sopranstimme sorgte in Folge dafür, dass sie Engagements zunächst beim Dänischen Staatlichen Radio wahrnehmen konnte, später aber auch für andere Rundfunksender sang. Ein Durchbruch zu größerer Bekanntheit war ihr bereits 1930 mit der Aufführung ihres Balletts Hybris am Königlichen Theater Kopenhagen gelungen.

Konzertsaal im Radiohuset Kopenhagen (Philip Meisner, 1.4.2006, GNU Free Doc. Lic.)

In Stockholm hatte sie als Dirigentin spätestens ab 1950 großen Erfolg, als sie dort ein Militärorchester leitete, mit dem sie ihr Stück Orphée Marche einstudiert hatte. Von da an begann eine zweite Karriere im Nachbarland Schweden, wo sie nicht nur verschiedene Male dirigierte, sondern auch als Sopranistin auftrat. Unter den damals tonangebenden prominenten Künstlern schloss sie unter anderem Freundschaft mit dem Komponisten Hugo Alfvén, dem Organisten Otto Emanuel Olsson und der Malerin Gerda Höglund. Sie ließ sich in Mora nieder und wohnte dort für einige Zeit, tätig als Musiklehrerin und freischaffende Tonkünstlerin.

Für eine Zeit wohnte Benna Moe in Mora nahe Stockholm. (Stefan Grünig, Juni 2006. GNU Free Doc. Lic.)

Im Ganzen betrachtet schuf Moe überwiegend tonale Musik, vor und um 1930 in etwa 200 Kunstlieder, drei namhafte Suitensatzfolgen, die Alpine und Ancienne Suite sowie eine Konzertsuite für Orgel, vereinzelt immer wieder Klavierwerke, Foxtrots, Tangos, Walzer und Märsche, auch Musik zu 4 Händen, ein solitäres Streichquartett sowie mehrere Werke für Violine und Klavier. Noch im hohen Alter (1980) komponierte sie eine Festmusik für Orgel.

Festpräludium


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