Mehr von Komponistinnen in Kürze

Es müssen nicht immer Clara Schumann, Fanny Mendelssohn und Louise Farrenc sein: Zahlreiche Tonschöpferinnen kommen im europäischen Konzertleben allmählich, aber schleppend an und werden nach Jahr(hundert)en des Verschwiegenwerdens nach Lebzeiten nun gerechterweise immer häufiger durch Aufführungen gewürdigt. Von vielen komponierenden Frauen sind auch nur wenige Werke, manchmal nur ein einziges überliefert worden, eher im Manuskript als im Notendruck und doch belebt die höhere Präsenz auch im neuen Jahr die Programme.

Doreen Carwithen (1922-2003; Alec Davison, CC-Liz.)

An den Kalendern fällt auf, dass je nach Format der Veranstaltung mehr Komponistinnen zu Klang kommen, deren Namen noch schemenhaft oder durch neuerliches Engagement für diese durch Intendanten und andere Kulturverantwortliche dem Publikum im Gedächtnis geblieben sind, auch wenn sie das Repertoire nicht kennen mögen. Es besteht wohl immer noch eine Scheu davor, nahezu gänzlich unbekannte Namen zu forcieren, obwohl dies, wie etwa in den Konzerten der Cembalistin Veronika Sazonova, bereits mancherorts geschieht. Erfreulich ist, dass ethnische Grenzen in ganz Europa – glücklicherweise seit längerem – keine Rolle mehr spielen, was für eine hohe Varietät sorgt. Einbezogen werden auch Werke von Komponistinnen kleinerer Länder und aus den USA. Streifzüge außerhalb Europas und Nordamerikas wurden im Hinblick auf ihre mögliche Bekanntmachung und Etablierung hier hingegen noch selten unternommen – mit Ausnahme derer, die in Europa studiert haben und dadurch im Konzertbetrieb Eingang gefunden haben.

Nadia Boulanger (1887- 1979; Agence de Presse Meurisse, 1910, Gallica Digital Library)

Sehr modern präsentiert sich in der Rhein-Main-Region die cresc… Biennale für aktuelle Musik: Das Festival, aus dem Zusammenwirken des Ensemble Moderne mit dem hr-Sinfonieorchester entstanden, startet am 4. Februar 2026 unter dem Thema „SCHWÄRMEN“. Zahlreiche Werke zeitgenössischer, teils auch wenig bekannt gewordener Komponistinnen wie Lisa Streich, Clara Iannotta oder Yiran Zhao kommen zwischen dem 20. und 28. Februar 2026 in Frankfurt und Eltville zur Aufführung.

In der Martinskirche Kassel, Kai Oesterreich, 2017, GNU Free Doc. Lic.)

In der Kasseler Martinskirche stellt Chorwerk Ruhr am 7. Februar um 20:00 Uhr das Programm SHE vor, das sich explizit der Chormusik von herausragenden Komponistinnen widmet. Anlässlich des ECLAT Festivals Neue Musik zu Stuttgart werden am 8. Februar Werke zeitgenössischer Komponistinnen wie Elnaz Seyedi  uraufgeführt oder präsentiert. In der Stadtbücherei Heidelberg widmet sich das Trio Signum am 13. Februar um 19:00 Uhr dem Repertoire der zeitgenössischen Komponistin Violeta Dinescu, woraus unter anderem Pfade I zu hören sein wird.

Florence Price (1887-1953; George Nelidoff, ca. 1940, US p.d.)

Zu den Komponistinnentagen Fürth findet am 26. Februar 2026 um 19:00 Uhr im Kulturforum Fürth ein biografisches Konzert unter dem Titel Vive la France! statt, das der zu ihrer Zeit sehr populären irischstämmigen Komponistin Augusta Holmès gewidmet ist. Das Komponistinnenfestival her:voice III ist zwischen dem 12. und 15. März ein kulturelles Highlight in der Stadt Essen. Veranstaltungsorte sind dort das Aalto-Theater und die Philharmonie Essen, wo am 13. März unter dem Motto The Magic Harp sinfonische Werke von Ina Boyle, Louise Farrenc und Maria Herz gegeben werden. Im RWE Pavillon ist am 14. März der Fokus ganz auf das Werk skandinavischer Komponistinnen wie Nanna Liebmann, Emma Hartmann und Elfrida Andrée fokussiert. Ebendort gilt die Aufmerksamkeit am 15. März ganz Kompositionen von Evelyn Faltis, Mathilde Kralik und Alma Mahler-Werfel. Im Alfried-Krupp-Saal spielt Mari Fukumoto Werke von Pionierinnen der Orgelmusik.

Zahlreiche Werke von Komponistinnen, bekannten wie weniger bekannten kommen am 13. und 14. März im Essener Aalto-Theater zur Aufführung. (SimpleMinder, 22.6.2020, CCLiz.)

Außerhalb Deutschlands ist neben einem großen Festival in der Schweiz zum Weltfrauentag am 8. März 2026 auf das North Norfolk Sinfonia International Women’s Day Concert in Sheringham aufmerksam zu machen. Es erklingt die 3. Sinfonie der Afroamerikanerin Florence Price, die Suffolk Suite von Doreen Carwithen und ein Cellokonzert von Marie Jaëll. Ebenso zum Anlass des Feiertags am 8. März gibt das Festival Finding A Voice 2026 im irischen Clonmel Musik von Frauen quer durch die Musikgeschichte zu Gehör.

Irland: Clonmel lenkt die Aufmerksamkeit auf das Festival Finding A Voice 2026 anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März. (Humphrey Bolton, Geograph Britain and Ireland, 2.9.2014, CC-Liz).

Im Rahmen des Festivals von Aix-en-Provence findet vom 27. April bis 1. Mai 2026 dort ein Workshop für Komponistinnen und Regisseurinnen statt. Der Prager Lobkowitz-Palast öffnet in diesem Jahr regelmäßig seine Tore für Konzerte innerhalb des Projekts Women in Art. Wenigstens teilweise liegt hier der Schwerpunkt auf Werken von Komponistinnen. Darüber hinaus widmen sich teils sogar umfangreiche Konzertreihen im Juni und Juli dem Werk der US-Amerikanerin Amy Beach und anderer komponierenden Frauen. Der Komponistinnensommer 2026 in Fürth findet vom 25. Juni bis 15. Juli 2026 unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Sirka Schwartz statt.