Versuchte sich die Komponistin Hanna Hawrylez in den 1980er Jahren noch am klassischen Repertorium, unter anderem an einem Klavierkonzert, einem Konzert für Viola und Orchester (1984), an Streichquartett, Bläserquintett und Chormusik, etwa nach Gedichten ihres Landsmanns Oleksandr Oles (1984), so tendierte sie um die Wende zum 21. Jahrhundert deutlich zu spezifischen, aber weiterhin überwiegend traditionellen Formen, wobei die geistliche Vokalmusik einen zentralen Platz in ihrem Schaffen einnahm.

Im Jahr 2000 veröffentlichte sie mit dem instrumentalen Canticum ein besonders an der menschlichen Stimme im kirchlichen Raum orientiertes Stück für Streichorchester, während sie sich schwerpunktmäßig auf Psalmvertonungen verlegte und auch ein an popularer Überlieferung von Melodien orientiertes Konzert für Frauenchor komponierte. Dem Canticum folgte 2005 ein berührender, gänzlich tonal angelegter Choral für Streicher. Durch die Vertonung einiger Gedichte der mit ihr befreundeten Lyrikerin Sofija Majdanska in den Drei Romanzen (1981) hatte Hawrylez bewiesen, dass sie auch an weltliche nationalromantische Strömungen des späten 19. Jahrhunderts anknüpfen konnte.

Hanna Hawrylez, die in Lemberg bei Wolodymyr Flys studiert und dann ein Zweitstudium am Kiewer Konservatorium aufgenommen hatte, starb vier Tage nach dem Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine an einer schweren Krankheit, da das medizinische Personal in ihrer Umgebung fehlte. Sie gilt als eine der einflussreichsten komponierenden Frauen in der Ukraine, wurde mit mehreren (ersten) Preisen ausgezeichnet und avancierte nach Jahren als Kritikerin zum Mitglied des Ukrainischen Komponistenverbandes, zur Lehrbeauftragten am Konservatorium und schließlich Professorin für Komposition, Instrumentation und den Bereich Informationstechnologie und Musik in Kiew wurde. Vor allem ihre Chorwerke weltlicher wie geistlicher Provenienz wurden in vielen, vor allem europäischen Ländern sowie des nordamerikanischen Kontinents aufgeführt.
ZASVICHU SVICHU mit dem Kiewer Frauenchor der Glier Musikakademie
Choral für Streicher
