Das Faszinosum computererzeugter oder -unterstützter Musik setzte sich von den Gründermüttern und -vätern, man denke nur an das französische IRCAM-Zentrum oder an den bereits von Maschinen geprägten Arbeitsplatz Else Marie Pades in Kopenhagen, in die kommende Generation fort. Die in Minnesota aufgewachsene virtuose Flötistin Anne La Berge professionalisierte sich nach Jahren der Beschäftigung mit zeitgenössischen kammermusikalischen Werken im Zuge eines Promotionsstudiums an der University of California in San Diego, unter anderem in diesem Bereich. Ganz im praktischen Sinn experimentierte sie aber darüber hinaus im Duo mit dem Flötisten John Fonville im weiten Feld der analog erzeugten „Zwischentöne“, erkundete eingehend die Mikrotonalität.

Die Schwierigkeiten der Notation mikrotonaler Prozesse wurde zwar in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine zunehmende Vereinheitlichung überwunden, doch manifestiert sich das Spielen der Zwischentöne unter Ausnutzung des gesamten Ambitus eines Instruments selbstverständlich seit viel längerer Zeit in der Improvisation.

Nachdem Anne La Berge 1989 nach Amsterdam umgezogen war, entwickelte sie ihren kompositorischen Ansatz nicht nur weiter und nahm in Folge zahlreiche CDs in wechselnder Besetzung und verschiedenen Studios aufauf, sondern etablierte die Improvisationsreihe Kraakgeluiden, durch die dem Publikum jede Woche aktuelle und ständig fluktuierende elektroakustische Musik nahegebracht wurde.

Mit Gert-Jan Prins unternahm sie kurz nach der Jahrtausendwende unter dem Duo-Namen United Noise Toys eine Konzertreise durch Nordamerika, ab 2006 erweiterte sie den Horizont ihres Schaffens um weitere Parameter, als sie mit David La Berge Film, erzählende Stimmen und Performance von Musik in einem neuen Gesamtkunstwerk zusammenführte. Damit partizipierte sie, auch wenn sie selbst mit ihren Flötenpartnern seit langem zur Avantgarde zählte, an einem Trend in der gesamten westlichen Sphäre einschließlich Australiens. In Kooperation mit dem kanadischen Jazzbassisten Joe Williamson nahm sie 2015 das Jazzalbum The Hum, erschienen beim Label Unsounds auf. Die Komponistin definiert sich auch weiterhin durch ihre Kunst der Improvisation.
Diskographie Allmusic