War über lange Zeiträume die Musikausübung am polnischen Königshof von derjenigen der omnipotenten katholischen Kirche völlig getrennt, so zählte es wie an anderen europäischen Fürstenhöfen dennoch wie selbstverständlich zur Aufgabe eines Hofkapellmeisters, zu verschiedenen Anlässen geistliche Musik zu komponieren. Adam Jarzębski etwa praktizierte dies in der frühen Barockzeit am Brandenburger Hof und in Warschau neben seinem Amt als Hofbaumeister unter König Władisław IV.

An der Entwicklung der Sonate, die als Tochter der „weltlichen“ Sonata da camara weiterlebte, ließe sich die Verschmelzung zweier ursprünglich getrennter Gattungen innerhalb der Instrumentalmusik gut nachvollziehen. Spätestens seit den letzten zwanzig Jahren des 17. Jahrhunderts setzte sich die aus vielen Strömungen gespeiste und keineswegs einheitliche „Sonate“ in der höfischen Musikpraxis durch. Im Falle Polens scheint es, dass während und vor allem nach der ersten polnischen Teilung zwischen den Mächten Preußen, Russland und Österreich die strikte Trennung der Satztechniken in der kirchlichen und weltlichen Musik aufgehoben wurde. Der mittlere Adel der „szlachta“ hingegen verschrieb sich in seinen glanzvolleren Jahren zunehmend dem Zeitvertreib des Tanzes und der Kammermusik, während er sich andererseits am Opernbetrieb der Städte teilzuhaben suchte.

Kann der Königsberger Ostpreuße und Pole Jan Podbielski (ca. 1680 – 1730) durch das erhaltene Orgel- und Cembalowerk bei allen großen Freiheiten ganz im Sinne Buxtehudes in der Stilgebung noch als Exponent sakraler Musik gelten, so zeigt sich bei dem aus Schlesien stammenden Jakub Gołąbek (1739 – 1789) bereits eine Verschmelzung der Sphären: Unter Beibehaltung des basso continuo adaptierte er in seinem Gesamtwerk Elemente des galanten Stils und suchte Anschluss an den gesamteuropäischen Trend motivisch-thematischer Entwicklung in der Sonatenform, wie sie die Frühklassik kennzeichnete. Die Benennungen freierer Instrumentalwerke für eine größere Besetzung mit zweifach besetzte Violinen, Viola, Oboen, Klarinetten, Hörner und dem Apparat, der den basso continuo ausführte, als Symfonia (wofür fünf wichtige erhaltene Beispiele vorliegen) weisen noch auf die ursprüngliche enge Haftung an die Sonate bzw. Sonata da chiesa zurück und erscheint zumindest ungewöhnlich für einen Komponisten, der im Amt ganz der Musik für die Kathedrale auf dem Krakauer Wawel verschrieben war, wovon seine Kantaten auf Heiligentage zeugen.

Für das Phänomen der vollkommen weltlichen Musizierpraxis in den Villen und Herrenhäusern des gesellschaftlich stark positionierten mittleren Adels mit gleichzeitiger Neigung zum städtischen Opernbetrieb steht das Werk Maciej Radziwiłłs (1749 – 1800). In der litauischen damaligen Metropole Vilnius lebte er als Prinz und potenzieller Thronfolger am Hof von Karol Radziwiłł, der hier in Nieśwież Schauspieler, Musiker und Tänzer beschäftigte.
Besonders trat Maciej als Librettist von Jan Dawid Hollands Oper Agatka, czyli Przyjazd pana („Agathe oder Die Ankunft des Hausherrn“) hervor, die in Anwesenheit des Königs Stanisław August am 17. September 1784 aufgeführt wurde. Radziwiłł schrieb selbst Musik und Libretto zu der zwei Jahre später auf die Bühne gebrachten Oper Wójt osady albiańskiej („Die Anführer der Siedler auf Alba“). Als Großgrundeigentümer auf litauischem Boden zog er 1788 ins Zentrum von Vilnius um und komponierte von da an sowohl Instrumentalmusik für kleinere Besetzungen als auch Orchesterwerke im galanten vorklassischen Stil.
Maciej Radziwiłł; Serenade für Streicher (Fragment)