Straßensperren mit Schall und Tanz

Während sich die Musik Barbudas kaum von derjenigen der zugehörigen „Mutterinsel“ Antigua unterscheidet und beinahe zur Gänze von afrikanischen Karibiktraditionen lebt (hierzu gehören insbesondere Soca-Stile und Calypso), setzte sich infolge der frühneuzeitlichen Dominanz der Niederlande auf Sint Eustatius überwiegend europäische Musik durch. Dank des hohen Anteils der jüdischen Bevölkerung auf dem „Außenposten“, dessen östliche Seite dem Atlantischen Ozean ganz ausgesetzt ist, behaupten sich dort auch andere und variable Traditionen im privaten wie öffentlichen Musikleben.

Das Fort Oranje auf Sint Eustatius konnte der Belagerung durch die englische Flotte einst kaum standhalten. Im Hintergrund: die Nachbarinsel Saba (Walter Hellebrand, 20.5.2008, GNU Free Doc. Lic.).

Freilich gilt heute die Aufmerksamkeit des einst durch Sklavenplantagen und Handel reichen, doch nicht zuletzt auch mäßig touristisch geprägten „Gold Rock“ mit seiner Kapitale Oranjestad eher popularmusikalischen Trends, wobei die Insel, die vom Vierten Seekrieg mit England gebeutelt worden war und nur noch einen Bruchteil seiner ehemaligen Bevölkerungszahl aufweist, nur über eine einzige größere Nacht-Location verfügt: die Largo Height Disco, wo Nachtschwärmer mit den neuesten Tendenzen auf dem Laufenden gehalten werden, war bislang vom Zouk-Trend beherrscht. Von Venezuela, Kolumbien und den angrenzenden Karibikgebieten kam zwischenzeitlich zusätzlich frischer Wind, der andere Stilrichtungen mit sich führte, die mit ins Boot genommen wurden.

Sich überschlagende Autoradios – ein Trend bei den Road-Blocks-Tänzen auf St. Eustatius (Notwist, 15.4.2006, p.d.)

Die Einwohner, die sich mit einem gewissen Stolz „Statians“ nennen, bevorzugen überwiegend eine ungewöhnliche Form, „ihre“ Musik zu präsentieren, indem sie zu den verbreiteten Straßentänzen unter der Bezeichnung road blocks, dito Straßensperren, laut aufgedrehte Autoradios benutzen, die für eine flächendeckende Beschallung der Innenstadt sorgen …

 

 


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