Krokushügel nennt sich idyllisch-verspielt die mit nur 65 Metern oberhalb des Meeresspiegels höchste Erhebung auf Anguilla, einer der zur britischen Krone gehörenden Antillen „über dem Winde“. Der Name der Insel, zu deutsch „Aal“, bezieht sich auf deren lang gedehnte Form eines grünen Bandes von Südwest nach Nordost und das flache Relief. Auch hier schlug am 7. September Hurrikan Irma massiv zu, wenn auch nicht mit derselben zerstörerischen Wirkung wie auf der südlicher gelegenen Insel Sint Maarten. Zwei Tote sind zu beklagen, der Schock sitzt noch tief. Aus diesem Grund dürfte die öffentliche Musik nicht in der gleichen (atemberaubenden) Vielfalt wie sonst erklingen – oder eben gerade, um die Mühen um die Wiederherstellung der Infrastruktur teilweise vergessen zu machen.

Tatsächlich konzentrieren sich hier außerhalb der Ausnahmesituation jegliche Stile, die in der Karibik nicht nur im Karneval genuin und gefragt sind: Die Palette reicht von Calypso und Reggae bis zu Folk und Soca. Neben dem Tourismus und dem Finanzgeschäft floriert auf Anguilla auch die Begeisterung für den Fußball. Für die Weltmeisterschaft 2006 reiste die Nationalmannschaft in Deutschland an. Im eigentlichen Sinn „Oberwasser“ hat aber sicher der Sgelsport, daneben wird wie in anderen britischen Überseeregionen aber mit Leidenschaft Cricket und Rugby gespielt, wofür die Insel sehr passable Ressorts bereithält, denn sie ist nicht wie in den karibischen Kolonien üblich von Plantagen, auf denen Sklaven ackerten, übernutzt. Vielmehr ist sie abseits von den idealen Sandstränden von einem grünen tropischen Waldteppich überzogen, in den nur wenige Siedlungsschneisen geschlagen wurden. Sieben von etlichen kleineren Inseln, die zum Staatsgebiet gehören, werden ebenfalls (mehr und weniger) touristisch genutzt; berühmt ist Anguilla international übrigens auch für seine Küche.

Durchschlagend war der Erfolg des Eilands auf musikalischem Gebiet mit dem Album Sounds of Anguilla, zu dem namhafte R&B-, Reggae- und Popmusiker beitrugen: an vorderster Front die indigene Legende Bankie Banx, dessen Stil zwischen dem Reggae Bob Marleys und der Songkunst Bob Dylans verortet worden ist. Ende der 1980er Jahre arbeitete der Musiker vorwiegend in New York, kehrte aber immer wieder zurück und startete weitere Touren durch die USA. In der 2015 erschienenen Anthologie Where I See The Sun – Contemporary Poetry in Anguilla findet sich sein poetisches Credo.

Eine weitere Größe auf dem Album ist außer der Band Gershwin Lake and Parables Amalia Watty. Interessant im Stimmengewirr auf Anguila ist auch die Tatsache, dass die Folklore ehemals irischer Siedler hier nach wie vor Gehör und Publikum findet. Eine berühmte Lokalität ist die Bar Dune Preserve, an und in der jedes Jahr das Moonsplash Music Festival veranstaltet wird. Anlässe für Events mit bunt gemischten Programmen sind die zusätzlichen Feiertage: Neben dem Anguilla Day im Mai sind dies das Fest zur Verfassung im August und der 19. Dezember als Tag der Teilung, der die lange angestrebte Trennung von der Westindischen Föderation im Jahr 1980 markiert.
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