Aus den Medien ist das frühere Ceylon mit seiner aktuellen Hauptstadt Colombo heute hauptsächlich durch den Tee und die Erfolge seiner Cricket-Nationalmannschaft bekannt, leider auch für den langwährenden und offiziell erst vor sieben Jahren beendeten Bürgerkrieg. Über viele Dezennien hatte das Land im Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen überdies die Folgen der Kolonialzeit aufzuarbeiten – scheinbar nicht die besten Voraussetzungen für eine dauerhafte Blüte der Künste.

Die fünf Hauptrichtungen der dennoch reichen traditionellen Musik auf dem Inselstaat Sri Lanka haben wie in vielen Gesellschaften rituelle Ursprünge, die auf Naturphänomenen beruhen. Frühe Formen von folkloristischen Gesängen mit Instrumentalbegleitung zeigen vor allem buddhistische Einflüsse und wurden keineswegs alleine von Priestern, sondern von allen indigenen Einwohnern gepflegt. Wie auch in Bangladesh, Indien und Pakistan dominiert in der „klassischen“ Musik das System der Ragas, das seine Wurzeln in den bereits seit 1750 v. Chr. existierenden vedischen Ritualliedern hat.

Die meisten Musikstile, die dort heute noch en vogue sind, weisen einen engen Bezug zum Drama oder zu theatralischen Inszenierungen auf: Die eher einfache folkloristisch-urtümliche Spielart des Kolam im Südosten Sri Lankas geht auf exorzistische Rituale zum Zweck der Heilung zurück, trägt aber neben anderen Merkmalen auch solche der Komödie. In ihrer ganzen Struktur entspringt hingegen die Musik des tamilisch geprägten Nadagam dem Drama, wie es von südindischen „Schauspielern“ eingeführt wurde. Als früher Initiator gilt Philippu Singho von Negombo, der 1824 Harishchandra Nadagama in Hnguranketha aufführte.
Im Falle des Nurti handelt es sich eher um eine späte Entwicklung. Don Bastian von Dehiwala adaptierte diese Form des musikbegleiteten Bühnendramas aus Nordindien, die John de Silva entwickelte und mit der Inszenierung von Ramayanaya 1886 etablierte.

Auf die christlichen Hymnen des Geethika bezieht sich der vermischte Stil der „leichten“ Genres des Sinhala. Seine Orchester setzen sich überwiegend aus Trommeln sehr unterschiedlicher Provenienz zusammen, ohne die Tanzaufführungen nicht denkbar wären. Bei Thamattama, Yak-bera, Dawula, Udekki, Rabana, Gatabera und Thalampata handelt es sich nur um die wichtigsten; hinzu kommen im Blasensemble eine der Klarinette ähnliche Stimme, Flöten und vor allem das oboenähnliche Horanawa. Sinhala wurde von dem Musiker Ananda Samarakone eingeführt, der übrigens auch Sri Lankas Nationalhymne komponierte.

Außer den Hauptströmungen der religiös-hymnischen, theatralischen und rituellen Klangkultur der Insel gibt es natürlich ein breites – und in besonderem Maße verfeinertes – Spektrum weltlicher instrumentaler und vokaler Musik. Hier spielt der Gebrauch der geigenartigen Ravanahatha, die aus einer Kokosnuss, Bambus und Ziegenfell gefertigt wird, eine eminente Rolle. Während der Zeit der portugiesischen Besatzung fand auch westliche Musik Eingang in dem Mikrokontinent. Das Symphonieorchester von Sri Lanka gilt als eines der ersten in Südasien überhaupt.
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